Mittwoch, 09.10.2019

Mountainbiken, Rafting, Geysiere und blubbernde Schlammlöcher: Rotorua

Haere mai!
Aufregende und actiongeladene Tage liegen hinter uns, Rotorua lässt auch wirklich keine Wünsche offen. Rotorua liegt an einem gleichnamigen See und ist vor allem bekannt für seine geothermische Aktivität. Hier sind wir jetzt in einem der vulkanisch aktivsten Gebiete dieser Erde! Als wir am Donnerstag die Farm verlassen haben, sind wir als erstes in eine Bank gefahren, um unser Konto zu eröffnen. Dies geht hier vergleichsweise zu Deutschland einfach und vor allem eins: schnell! Die Frau tippt regelrecht motiviert in die Computertasten, wir müssen ein paar Unterlagen zeigen, ein paar Fragen beantworten und schon sind wir jeder Besitzerinnen eines Kontos. Das gute ist, dass man die Karte auch direkt in die Hand bekommt, denn auf etwas per Post warten wäre hier auf jeden Fall schwieriger. In Rotorua selbst ergattern wir einen der wenigen kostenlosen Plätze der Stadt fast direkt am großen See. Glücklicherweise ist heute Donnerstag und jeden Donnerstag Abend findet in der Fußgängerzone ein "Night Food Market" statt! Rotorua ist bisher die einzige Stadt in Neuseeland, die uns so richtig gut gefällt. Zu Fuß können wir direkt in die Innenstadt laufen, es gibt kleine Cafés, mehrere Geschäfte und eine kleine Mall. Doch zuerst erkunden wir den Park, der von Bernadettes Standort nur fünf Minuten entfernt beginnt. Der Park ist voller dampfender Seen und kleinen, blubbernden Schlammlöchern. Es riecht teilweise extrem nach Schwefel, die Erde ist hier förmlich aktiv! Auch immer wieder in der Stadt "stinkt" es danach. An einer Stelle kann man seine Füße in einem warmen geothermischen Becken aufwärmen, das nehmen wir natürlich gerne wahr. Rotorua ist also nicht nur ein nettes Städtchen, sondern gleichzeitig kann man auch sehr viel um Rotorua erleben und entdecken. Wir schlendern also über den Essensmarkt und fühlen uns kurz nach Berlin gebeamt, denn es gibt Essen aus allen Herren Ländern und Kulturen, jippieh! Gemeinsam futtern wir uns durch indische Pakoras, palästinensische Falafelwraps und japanische Ramen.
Am nächsten Morgen wollen wir im bekannten Redwood Forest (oder in Maori Sprache auch Whakarewarewa genannt) Mountain biken gehen! Doch zuerst machen wir einen kurzen Stop im Supermarkt, um Brötchen fürs Mittagessen zu kaufen. Wir stehen gerade in der Backwarenabteilung und überlegen, welche Brötchen wohl die krachigste Kruste haben (die Blicke werden inzwischen geschulter), als plötzlich eine weibliche Stimme "Hey!" hinter uns sagt. Als wir uns umdrehen, gucken wir glaube ich wie Autos, Marlene steht vor uns! Die 18- jährige Abiturientin aus Brandenburg, die wir in unseren allerersten Tagen in dem Hippie-Kommunen-Hostel in Auckland kennengelernt haben! Was für ein Zufall! Man trifft Reisende echt immer wieder... Sie reist aktuell mit einem Jahrmarkt mit und verkauft Tickets. An Supermarktkassen läuft hier übrigens auch etwas ganz anders ab als bei uns. Man legt seine Waren auf das Band, lässt seinen eigenen Einkaufswagen jedoch an der Kasse hinter sich stehen für den Hintermann. Die Kassiererin packt dann die gescannten Waren sehr ordentlich für einen direkt in den Einkaufswagen, mit dem die Person vor einem an der Kasse einkaufen war.
Doch jetzt geht's ab in den Wald, die Sonne scheint und wir freuen uns darauf, im Paradies für Mountainbiker zu strampeln. Wir haben gelesen, dass dieser Wald unter Mountainbikern weltweit bekannt ist, es gibt über 140 Kilometer lang Strecken mit den verschiedensten Schwierigkeitsstufen. Von Redbull wurde der Wald mal zu dem besten der Welt für Mountainbiker gekürt. Das klingt doch verlockend! Wir beginnen aber mit dem "Kids Loop", erstmal reinkommen und ein Gefühl fürs Rad entwickeln. Es macht super viel Spaß zwischen den roten Mammutbäumen und den Art riesigen Farnen zu fahren. Die Strecken sind extrem gut gemacht, es geht bergauf und bergab über Stock und Stein. Wir fahren vier Stunden lang und arbeiten uns bis zum fortgeschrittenen Level hoch. Teilweise geht es über Wurzeln und Stufen, unfreiwillig springen wir beide an einer Stelle sogar! Durch das häufige Aufstehen beim Mountainbiken merkt man irgendwann auch ganz schön seine Oberschenkel. Anschließend fahren wir zu einem richtigen Campingplatz, heute brauchen wir definitiv eine Dusche! Wie cool, die Frau an der Rezeption sagt uns, dass wir ein nah gelegenes Fitnessstudio mitbenutzen dürfen! Da bleiben die Sportsachen einfach an und wir "pumpen" noch eine Stunde in dem echt ollen und unmodernen Fitnessstudio.

Doch jetzt reichts für heute, wir dümpeln abschließend in einem der natürlich geothermische gespeisten Mineralpools des Campingplatzes (40 °C, schöööön warm) und kochen dann Abendessen. Der nächste Tag beginnt kalt und regnerisch. Mensch Sommer, gib Gas! Sechs Grad am Morgen macht es manchmal nicht sehr leicht, aus der Bettdecke zu steigen. Hier auf der Nordinsel herrscht ja subtropisches Klima. Manchen Pflanzen, wie den riesig wirkenden Farnen oder Palmen, sieht man das auch an. Aber morgens und abends halte ich das dann wieder für ein Gerücht... Subtropisches Klima. Stellt man sich eigentlich anders vor. Auf der Südinsel wird es dann ja erst richtig kalt! Alpines Klima.
Wir laufen in die Innenstadt, machen ein paar Erledigungen und kaufen uns zu sensationellem 40 %igem Rabatt fehlende Ausrüstung in zwei Outdoorläden. Ich besitze jetzt ein zweites Fleece und liebe es jetzt schon. Der Regen lässt nach, die Sonne lässt sich blicken, wir brechen den Stadtbummel ab, eilen zu Bernadette und fahren zu zwei nebeneinander gelegenen Seen. Einer sieht blau aus, der andere grün. Man kann es erahnen, doch auf Fotos sah es noch spektakulärer aus. Vielleicht ist die Sonne doch nicht ganz so stark heute. Der Weg um den See ist auf jeden Fall schön. Am Abend steht natürlich wieder chillen im Mineralpool an. Das Wasser ist bräunlich und wirkt zugebenermaßen nicht so einladend. Sind wohl die Mineralien, sie sollen die Haut nähren und schön machen. Und 40 °C locken auch noch. Im Internet finden wir wieder (ähnlich wie Groupon) mal ein unschlagbar günstiges Angebot für Wildwasserrafting am nächsten Morgen. 9 Uhr, Wettervorhersage sagt Regen voraus, 9 °C, Wassertemperatur des Flusses 14 °C. Die Bedingungen könnten also besser sein... Wir überlegen, uns dies für den Rückweg nach Auckland im Dezember/Januar aufzusparen. Doch dann ist Hochsaison, so extrem vergünstigt bekommen wir es bestimmt nicht wieder. Also buchen wir es und so komme ich zum ersten Mal raften in meinem Leben. David war an seinem Junggesellenabschied mit den Jungs in Österreich schon mal raften. Aufgrund der Temperaturen bekommen wir unter dem Wetsuit ein spezielles Fleece angezogen. Während wir uns anmelden, läuft ein Video (soll das ein Werbevideo sein?). Leute, die kentern, das Boot voller Wasser. Es sieht krass aus. Ich bin erstaunlich nervös. In der Umkleidekabine dann bis auf eine Engländerin nur deutsche Stimmen. Ich bin nicht die einzige, die das heute zum ersten Mal macht, puh. Immerhin werden wir den höchsten Wasserfall der Welt fahren, der kommerziell mit Rafting befahren wird!
Der Guide gibt uns eine Einweisung, wir müssen mehrmals üben, wie wir uns bei Wasserfällen hinsetzen sollen. Ich muss wohl wie ein Reh im Scheinwerferlicht geschaut haben, mehrmals fragt er mich, ob ich freiwillig hier bin und ob ich das hier wirklich machen möchte. Oops. Vielleicht hätten fürs erste Mal doch ein paar Stromschnellen gereicht? Jetzt geht's aufs Wasser, ein paar Stromschnellen hinunter, nochmal alles üben für den immer näher kommenden "Ernstfall". Die ersten zwei Wasserfälle sind drei und vier Meter tief. Das Gefühl, wenn es bergab geht und man die massive Strömung unter einem immer näher kommen sieht, ist extrem und reines Adrenalin gemischt mit "Ach du Scheisse". Wir tauchen alle komplett unter, spätestens jetzt ist jeder pitschnass. Vor dem größten Wasserfall halten wir an, der Guide erklärt jetzt, dass wir hier nochmal die letzte Möglichkeit hätten, auszusteigen. Hinter ihm führt ein steiler, matschiger Weg in den Wald. Ansonsten wünscht er uns jetzt gutes Überleben. Ein letztes Mal üben wir das richtige Sitzen und Festhalten, gehen durch, was wir zu tun haben, falls wir gleich kentern. Einfach weiter festhalten, wir würden unter dem Boot auftauchen. Die ganze Zeit fährt ein Mann im Kajak mit. Zur Sicherheit. Falls etwas passiert. Ist ja alles schön, aber irgendwie macht auch alles Angst. Hilfe, das ist mein erstes Mal!!
Und los geht's! Es geht ziemlich schnell, keine Ahnung was genau passiert ist, aber wir finden uns alle gekentert neben dem Boot wieder. Also doch alles anders als vor wenigen Sekunden davor noch geübt und gesagt bekommen. Aber wir sind den höchsten Wasserfall herunter gefahren!! Yeah! Jetzt muss ich vielleicht auch nicht mehr raften gehen, ab jetzt kommen Stromschnellen einem wahrscheinlich langweilig vor. Ein Stück weiter halten wir an, wir können alle aussteigen und eine Stromschnelle schwimmend herunter gleiten bzw. einmal durch eine Welle tauchen. Danach heißt es, mit aller Kraft zum Boot zurückschwimmen. Die Strömung ist echt heftig, eine Deutsche schafft es nicht zum Boot und wird direkt die nächste Stromschnelle mit hinuntergezogen. Hier gibt es mehrere Steine und Felsen, also echt nicht ungefährlich. Jetzt muss der Mann im Kajak doch noch ran und lotst sie zu einer Wurzel, von der wir sie schließlich abholen und ins Boot ziehen. Das ist fast das Ende. Wir sollen uns jetzt nochmal paarweise ganz nach vorne setzen und fahren dann "von unten" in einen Wasserfall hinein. Man wird quasi von kaltem Wasser überflutet. Der Fotograf, der an verschiedenen Stellen Fotos gemacht hat, ist jetzt auch da und fotografiert fleißig. Schön aussehen ist hier unmöglich. Umso lustiger ist es, als wir uns in trockenen Klamotten die Diashow anschauen. Wir teilen uns untereinander die Kosten und haben so für sieben Euro extra die Fotos als Erinnerung. Fazit Rafting: David hatte sehr viel Spaß, ich hatte Spaß, aber es gibt auch Dinge, die mir mehr Spaß machen ;-) Vielleicht war es fürs erste Mal auch eine Nummer zu extrem. Aber hey, jetzt bin ich stolz und auch sehr froh, es gemacht zu haben!
Am Nachmittag regnet es sich ein, aber das ist uns heute total egal, denn wir machen uns einen gemütlichen Serienmittag in Bernadette. Da passt ein prasselnder Regen sogar auch echt gut dazu. Es ist so gemütlich, dass keiner auf Kochen heute Lust hat. Wir bestellen also Pizza zum Auto, Pizza und Netflix, einfach eine gute Kombi!
Am nächsten Tag machen wir eine Wanderung, es geht auf den Rainbow Mountain. Der erste Stop ist mit einer so tollen Aussicht verbunden, ein türkisfarbener See liegt unter uns! Die Farbe ist so irre, wie Wick Blau! Der Weg ist schön, vom Gipfel sehen wir weitere Seen und grüne Hügel mit vielen Kühen. Anschließend halten wir an einer der kostenlosen Spots, es gibt immer wieder Flüsse, in denen an manchen Stellen circa 30 Grad warmes Wasser fließt! Was für tolle Sachen sich die Natur so einfallen lässt.

Als letztes besuchen wir Waiotapu, eines der größten geothermischen Gebiete Neuseelands. Von Davids Freundin Doro haben wir den sehr guten Tipp bekommen, gleich morgens als erstes in den Park zu gehen, bevor nach der Hauptattraktion am Vormittag (Ausbruch des Geysiers Lady Knox) alle anderen Touristen den Park besuchen. So hatten wir in wunderschönem Morgenlicht die meiste Zeit all die blubbernden Schlammlöcher, kollabierten Vulkankrater, dampfenden Seen und je nach Mineral bunt gefärbten Steine ganz für uns. Highlights waren für uns sicherlich der sogenannte Champagne-Pool, die größte heiße Quelle Neuseelands. Oder ein quietschgrüner See, dessen Farbe so absolut unwirklich aussah! All das erinnert uns sehr an die Salar de Uyuni, die größte Salzwüste der Welt in Bolivien, die wir 2014 besucht hatten. Wie schön die Natur einfach ist! Man wird hier einfach immer wieder überrascht. Die eigentliche Hauptattraktion ist eher enttäuschend. Jeden Vormittag um 10:15 Uhr wird der Geysier mittels Seife zum Ausbruch gebracht, damit alle Touristen ihre Kameras bereit halten können. An guten Tagen schießt Lady Knox 20 m hoch, an schlechten Tagen nur 5 m. Heute war, im Gegensatz zu uns, wohl ein schlechter Tag für Miss Knox. Das Spektakel ist recht schnell vorbei, anschließend ziehen Busladungen voller Asiaten und andere Touristen Richtung Park. Ach Mensch sind wir froh, dass wir das alles heute morgen ganz für uns hatten. 

Auf geht's zum nächsten Stop nach Taupo! 

Geothermischer Park in RotoruaKostenlose ÜbernachtungRedwood Forest Mountain bikenPizza zu Bernadette bestellt :DWanderung Blue Water LakeRainbow Forest Mountain mit atemberaubend schönem SeeGipfel Rainbow MountainHot Pool am CampingplatzHot Pool im WaldKochenÜberall "dampft" es aus der ErdeRaftingZum aufwärmen zwei kleinere Wasserfälle..... Und dann der mit 7 m höchste Wasserfall, den man kommerziell raften kann!... gekentert...Alle geschafft! :-)WaiotapuWaiotapu, was für irre Farben!SchlammGrüner SeeDas war die wirkliche Farbe!Lady Knox Geysier