Übersichtskarte

Sonntag, 01.12.2019

Roadtrip bis zum südlichsten Punkt der Insel

Nach einem Großeinkauf und nochmal volltanken fahren wir einmal quer durch die Insel an die Westküste, die wir jetzt langsam südlich bereisen wollen. Der erste Stop ist ein kostenloser Campingplatz nahe der Pancake Rocks. Passend dazu kommt laut unserer App Campermate (zeigt einem alle Campingplätze im Land an, also überlebenswichtig!) jeden Morgen ein netter Mann mit seinem Pfannkuchenwagen vorbei und verkauft wohl super leckere Pfannkuchen für einen guten Preis. Tatsächlich, am nächsten Morgen fährt ein kleiner Wagen vor mit einem total netten und gesprächigen Mann (typisch Kiwi) und verkauft sehr leckere Pfannkuchen. Er gibt Tipps für die Umgebung und fürs Auto fahren auf den Straßen hier, während man auf seine Bestellung wartet. Alternativ kann man seinem Hund Tennisbälle werfen.
Die Pancake Rocks gefallen uns sehr gut, Kalksteinfelsen ragen hier aus dem Meer und sind total schön und regelmäßig geschichtet. Mal wieder echt cool, was Mutter Natur da geschaffen hat! In der nächsten Stadt lassen wir dann mal unseren einen Hinterreifen in einer Werkstatt anschauen, wir haben tatsächlich eine Schraube im Reifen wodurch die Luft langsam entweicht. Schnell repariert, weiter geht der Roadtrip! Die Straße an der Westküste runter ist toll, links grüne Hügel und so langsam das Bergpanorama, rechts wieder die tollen Strände und große, brechende Wellen. Wir übernachten im kleinen Städtchen Franz Josef und beschließen, am nächsten Morgen früher als alle anderen zu sein. Hier hört man nun wieder auffallend viele deutsche Stimmen und Sätze wie "Dann fahret ma da ebbe aa hin" von Schwaben (die die Teebeutelzeit mit einer Stoppuhr stoppen, wie man sie aus dem Sportunterricht kennt).
Um 4:30 Uhr klingelt der Wecker, nach 30 Minuten Autofahrt rasen wir drei Kilometer um den Lake Matheson, um pünktlich zum Sonnenaufgang um 6 Uhr an einem ganz bestimmten Punkt am See zu stehen, Reflection Island. Hier spiegeln sich Mount Tasman und Mount Cook nahezu perfekt im See. Das sieht so schön aus und da hier sonst wohl die Massen das gleiche bewundern, freuen wir uns so still und leise das Ganze für uns zu haben. Leider ist es bewölkt und die gewünschten Rottöne des Sonnenaufgangs nicht ganz so, wie erhofft. Weiter geht's zum Franz Josef Gletscher. Auch hier laufen wir in strammen Tempo an den nächstmöglichen Punkt des Gletschers und stehen als eine der ersten um 8 Uhr an diesem Morgen dort. Ganz schön, aber kein Highlight Neuseelands. Da war der Gletscher in Kolumbien, auf dem wir selbst gelaufen sind, doch beeindruckender für uns. Erschreckend ist jedoch ein unauffälliges Schild am Wegesrand: Bis hierher ging der Gletscher im Jahr 2009. Und das ist ein ganz gewaltig großer Unterschied zu heute. Der Klimawandel lässt sich wirklich nicht leugnen und Gletscher zeigen uns das leider sehr eindrücklich.
Beim jetzt verdienten Frühstück überlegen wir hin und her. Und fahren spontan an die Ostküste! Also die Südspitze andersrum, als ursprünglich geplant. Aber Pläne sind gerade eh nur ein ganz grobes Gerüst. Bernadette ist wie ein gefühltes Schneckenhaus, man hat alles was man braucht, immer direkt dabei. Für die Strecke benötigen wir wie immer viel länger als vorher gedacht (neuseeländische Straßen sind definitiv nicht mit deutschen Autobahnen zu vergleichen), dafür ist die Straße schon allein eine Fahrt wert! Mitten durch das Bergpanorama und vorbei an wunderschönen, türkisblauen Seen. Lake Wanaka und Lake Hawea. Man kommt aus dem Fotografieren gar nicht mehr heraus! Wie auf Postkarten.
Am nächsten Tag nehmen wir auf unserem Restweg an die Ostküste die schönere, längere Route und fahren den Danerys Pass. Puh, circa 50 Kilometer Schotterpiste mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 30 km/h. Wir fahren jetzt durch Zentral Otago, ein grünes Hochplateau. Das Auge sieht hier viele Weinreben (Heimatgefühle!!), weite Wiesen, Rinder und Schafe, Schafe, Schafe. Nur die bekannten Merinoschafe vermissen wir. Stehen sie am Ende für unsere Funktionssportwäsche am Ende doch auch nicht, wie immer suggeriert, hier glücklich auf den Weiden?
Danerys Pass bedeutet, über Stunden kein Auto und keinen Menschen zu sehen. Nur Schafherden, überall gelbblühender Stechginster, satte, grüne Hügel. Ach und Schafe, die vors Auto laufen. Und dann ist da plötzlich wieder das Meer! Und ein kostenloser Campingplatz direkt am Meer. Neuseeland bereisen bedeutet, sich nicht wie sonst, für Berge ODER Meer entscheiden zu müssen. Man fährt nie lang und hat immer eines der beiden Sachen, in wunderschön.
In der Nähe liegen die Moeraki Boulders, große runde Steine, die vor Millionen von Jahren so geformt wurden und einfach an einer Stelle gesammelt liegen. Wir machen noch einen kleinen Strandspaziergang und kommen an einem gigantischen Seelöwenmännchen vorbei. Dann geht's weiter nach Dunedin, Wäscherei, Barbier, einkaufen, tanken.
Jetzt ist es weniger als einen Monat bis Weihnachten! Und dieses Jahr fühlt sich das alles so seltsam und fremd an wie noch nie zuvor. Überall hört man jetzt auch hier Weihnachtslieder und die Einkaufsläden sind voller Schokoadventskalender und Weihnachtsdeko. Als "Christmas Deal" werden Erdbeeren verkauft, denn hier ist nun Saison. Und man läuft in Shorts, Tshirt und Sonnenbrille im Haar daran vorbei. Es fühlt sich einfach falsch und gefaked an. Das ist nicht Weihnachten. Echt interessant zu merken, wie man innerlich so festgenagelt ist auf kalte Hände am Glühwein wärmen, mit Freunden über den Weihnachtsmarkt schlendern und zuhause eine Tasse heißen Tee trinken und Weihnachtsbeleuchtung anmachen, da es draußen nasskalt und ungemütlich geworden ist. Und hier bedeutet Weihnachten Hochsommer. Das ist für uns schon ziemlich verrückt und ich glaube, ich könnte mich nie daran gewöhnen. Wir waren auch noch nie ohne unsere Familien an Weihnachten. Das wird sicher auch ein komisches Gefühl. Aber immerhin ist es für uns das erste Weihnachten, dass wir zusammen feiern. Beziehungsweise... Irgendwie fällt Weihnachten dieses Jahr flach. Vielleicht wird es dann auch nicht so schwer an Weihnachten selbst, da es sich hier absolut null danach anfühlt.
Auf der Dunedin Halbinsel fahren wir zum Royal Albatross Center. Hier lebt die letzte gesunde Rotschnabelmöwenkolonie Neuseelands. Und diese Möwen sind wirklich überall, dementsprechend riecht es dort auch. In einem kostenlosen kleinen Museum lernt man viel über diese Tiere und eindrucksvoll ist ausgestellt, wie viel Plastik im Magen einer Möwe hier gefunden wurde. Da reist man ans andere Ende der Welt und wird hier ständig mit Folgen von zu viel Plastik in den Meeren und dem Klimawandel konfrontiert. Das zeigt ja wirklich nur, dass es bis hier ins ganz entfernte Auswirkungen von unserem täglichen Handeln in Deutschland gibt. 

Wir übernachten etwas südlich auf einem sehr günstigen Campingplatz bei einem ausgewanderten Deutschen. Schnell lernen wir Alice und Jonny kennen, zwei Engländer, die ihre Jobs gekündigt haben und nun ein Jahr lang durch Neuseeland reisen. Wir sind so dermaßen auf einer Wellenlänge und kommen aus dem quatschen nicht mehr heraus. So enden wir in 6 Stunden non stop erzählen! Hoffentlich sehen wir die beiden nochmal wieder, es war soo nett!
In einer kleinen Hütte darf man sich über einem Strand verstecken und darauf warten, dass Gelbaugenpinguine zurück "nach Hause" kommen und ihre Jungtiere füttern. Diese Art ist die seltenste Pinguinart der Welt und man findet kleine Kolonien nur an drei Stellen in Neuseeland! Über drei Stunden sitzen wir also in der Hütte. Einer hat immer "Pause" und darf lesen. Der andere hat "Schicht" und lukt wie ein Erdmännchen nach draußen. Da kommt uns ein aufmerksamer Franzose mit Fernglas gerade recht. Und schließlich haben wir Glück! Insgesamt drei Pinguine kommen aus dem Wasser und watscheln über die Steine zu ihrem Nest. Juhu!!

Wir fahren weiter zum südlichsten Punkt der Südinsel (nicht ganz der südlichste Punkt Neuseelands, es gibt noch die kleine südlichere Insel Stewart Island). Zu unserer Überraschung sind wir ganz allein und warten noch eine Weile auf den Sonnenuntergang, der sich echt gelohnt hat. So südlich war ich noch nie. Noch knapp 5000 Kilometer bis zum Südpol. Selten habe ich mich weiter weg von zuhause gefühlt als in diesem Moment. Sehr speziell wird dieser Sonnenuntergang, vielleicht auch weil wir ihn ganz für uns allein haben.

Nun geht es langsam Richtung Fjordland, Milford Sound etc... Und die Wettervorhersage sagt erstmal 1,5 Wochen Regen voraus. Klar, Milford sound ist eines der nassesten Gebiete der Welt, aber NUR Regen...? Sind schon am überlegen ob wir doch erst woanders hinfahren oder nochmal ein Workaway machen.

 Kostenloser CampingplatzMit dem Pancake Mann!! :-)MmmhhhPancake RocksScheiben säubern nach den ganzen SchotterpistenWeihnachtsstimmung? Fehlanzeige!Lake WanakaBlue poolsSeelöwe am Strand :)Moeraki BouldersLake Matheson 6 Uhr SonnenaufgangFranz Josef Gletscher ging 2009 noch bis hierGletscher heuteRoadtripGanz normal hierNugget point wo die Pinguine lebenSchraube im HinterreifenSo macht Roadtrip SpaßMittagessen am SeeLetzte gesunde Möwenkolonie NeuseelandsDanerys Pass, über Stunden nur Schafe statt Autos gesehenDrei Stunden Ausschau halten nach der seltensten Pinguinart der Welt...Gelbaugenpinguine!!!Südlichster Punkt der SüdinselNur wir beide beim Sonnenuntergang am südlichsten Punkt der Südinsel, fast schon kitschig

Samstag, 23.11.2019

Golden Bay und der Abel Tasman Trek. Hallo schöne Südinsel!

Kia Ora!
Der Abschied von Bev, Stu und den Tieren fiel tatsächlich etwas schwer. Drei Wochen an einem Ort zu leben ist dann doch lang. Noch am selben Tag geht es für uns in die Hauptstadt, nach Wellington. Da das Wetter etwas durchwachsen ist, steuern wir direkt das Naturkundemuseum an. Es wurde uns mehrfach empfohlen und wir sind total begeistert! Es ist kostenlos (!) und es gibt eine Kunstgalerie, eine Ausstellung zum ersten Weltkrieg sowie das eigentliche Naturkundemuseum. Hier lernt man viel über Flora und Fauna Neuseelands, über Vulkane und Erdbeben und kann in einem Haus ein simuliertes Erdbeben hautnah erleben. Wirklich sehr empfehlenswert, wenn man in Wellington ist! Am nächsten Morgen steht für mich ein (wahrscheinlich der einzige der Reise) Frisörbesuch an. Während ich mir von einer netten Engländerin die Haare machen lasse, ist David in einer Boulderhalle, trifft dort direkt zwei Deutsche und geht mit ihnen noch ein Bierchen trinken. Das war das erste Mal seit 5,5 Monaten, dass wir vier Stunden voneinander getrennt waren. Richtig verrückt. Und ebenso verrückt ist, dass wir uns absolut nicht auf die Nerven gehen, obwohl wir ja wirklich 24 Stunden miteinander verbringen. Was für ein Luxus! Das wird es wahrscheinlich nie nie nie wieder geben über so einen langen Zeitraum... Das wissen wir, und genießen daher jede Sekunde umso mehr.

Wellington ist cool. Jung, hip, viele Cafés. Wir schlendern durch die Straßen und an der Waterfront, es erinnert uns manchmal an Friedrichshain. Und es macht dem Namen "windy Welli" alle Ehre. Eine steife Brise weht hier! Leider können wir uns nicht ewig aufhalten, die Suche nach einer neuen Zweitautobatterie steht noch an. Die alte ist leider nicht mehr funktionsfähig.
Am nächsten Morgen klingelt der Wecker sehr früh, es geht in einer 3,5 stündigen Fährfahrt auf die Südinsel Neuseelands. Bernadette ist im Frachtraum gut eingeparkt und wir genießen oben auf dem Sonnendeck die Aussicht. Besonders das letzte Stück ist toll. Doch der Reisetag ist nicht vorbei. Wir fahren noch bis in die Golden Bay hoch. Mit Bernadette ziehen wir unser Motto "Reisen statt Rasen" ohne Wahl durch. Besonders bergauf, da ist sie wirklich langsam... Immer wieder fahren wir links ran um die Autos hinter uns vorbeizulassen. Es ist von Anfang an deutlich bergiger, aber immer noch schön grün. Nach zwölf Stunden reisen kommen wir etwas matschig abends auf einem kostenlosen Campingplatz in der Nähe von Takaka an. Der nächste Tag beginnt wieder recht früh, es soll ab mittags regnen. Daher schauen wir uns morgens die nahegelegenen Te Waikoropupu Quellen an. Was für ein kristallklares Wasser!! Es ist die größte Frischwasserquelle Australasiens. Super schön! Als nächstes fahren wir zu "The Grove", ein kleiner Wald mit vielen, wellig geformten Kalksteinfelsen. Wir fahren noch ein Stück weiter an der Küste zu einem Campingplatz und kurz nachdem wir ankommen, regnet es auch in Strömen den ganzen Mittag durch. Abends zieht ein dermaßen heftiges Gewitter vorbei, dass wir den Sprecher aus dem Tablet auf lautester Lautstärke nicht verstehen! Irgendwie sehr gemütlich dieses Prasseln im Auto und irgendwie auch beängstigend, da es so laut und nah erscheint.
Zum Glück klart es wenigstens kurzzeitig am nächsten Tag auf, sodass wir den Wharariki Beach anschauen können. Viele Felsen, weiter, naturbelassenener Sandstrand vor hohen Dünen und sogar Seerobben. Ein Traumstrand. Sieht auch Microsoft Windows 10 so! Das ist nämlich tatsächlich das Wallpaper, wenn man ein Gerät mit Windows 10 hochfährt. Auch einen Blick über Farewell Spit, einer langen Sandzunge, die für Menschen gesperrt ist, können wir regenfrei erhaschen. "Hast du auch Hunger?" "Ja, lass mal kurz anhalten und Mittag essen." Schwupps, kurz an die Straße rangefahren, alles ausgepackt und "gewrappt". Das ist alles gerade eine unglaubliche Freiheit und dadurch eine tolle Spontanität, die wir täglich leben dürfen. Man hat auch einfach immer alles dabei, was man so benötigt. Und das ist wie schon mal erwähnt, deutlich weniger, als was man so in einer normalen Wohnung hat. Ich atme manchmal tief ein und wieder aus. Wie ein "durchatmen". Es fühlt sich alles so leicht an. Wann wird es im Leben je wieder so sein? So sorgen, - stress, - und druckfrei? Wann werden wir je wieder so tolle Erlebnisse, Erfahrungen und Begegnungen täglich machen? Und je wieder so viel Zeit zu zweit haben? Ich glaube, diese Zeit gerade ist einzigartig und jeder Tag ein wahres Geschenk. Vor allem sind wir gesund, und das ist ja das allerhöchste Gut. Ich gebe mein Bestes, alles wirklich zu genießen und aufzusaugen. Und trotzdem macht mich der Gedanke, dass schon bald Halbzeit der Reise ist, traurig.
Wir übernachten wieder auf einem kostenlosen Campingplatz bzw. Parkplatz an einem Flussufer. Durch den Regen haben sich riesige Pfützen gebildet, die es zu umlaufen gilt, wenn man aufs Klo möchte. Plumpsklos heißen auf englisch übrigens "long drop toilets" - passender kann man doch einfach nicht übersetzen... Sie sind überwiegend erstaunlich sauber, für so viele Menschen. In der Golden Bay besuchen wir noch eine ausgewanderte Freundin der Schwägerin meiner Patentante auf einen Kaffee, bevor es dann zum Abel Tasman Nationalpark geht.
Wir campen 300 Meter vorm Eingang, packen unsere Rucksäcke und machen alles startklar für vier Tage und 63 Kilometer trekken. Für umgerechnet 3 Euro pro Tag können wir das Auto hier sicher stehen lassen, das ist es uns wert. Und dann geht's auch schon los! 

Am ersten Tag sind 18 Kilometer zu bewältigen. Der Weg ist jederzeit super ausgeschildert und breit. Die meiste Zeit läuft man oben im Wald entlang, immer wieder zeigen sich breite, weiße Sandbuchten mit türkisfarbener Wasser. Andere Backpacker, die auch wie wir den gesamten Weg laufen und zelten, sehen wir so gut wie keine. Das meiste sind eindeutig Tagestouristen, die sich mit dem Wassertaxi in eine der Buchten fahren lassen und dann zurück laufen. Doch auf einmal, bekannte Gesichter! Wir treffen tatsächlich das französische Pärchen, von denen wir Anfang September Bernadette gekauft haben! Sofort ist es wieder total nett mit den beiden und wir können glücklicherweise ja auch berichten, dass ihr Auto bisher einwandfrei läuft. Nach fünf Stunden kommen wir endlich an unserem ersten Campingplatz an und sind überrascht, dass wir komplett allein sind! Es dürfen hier insgesamt aber auch nur 30 Menschen übernachten. Da gerade Hochsaison ist, zahlen wir als Internationale 16 Euro pro Nacht/Kopf. Nachdem das Zelt nah am Strand aufgebaut ist, gibt's erstmal das wohlverdiente Mittagessen und ein Mittagsschläfchen. Schon etwas anderes, mit so einem Rucksack zu laufen. Vor allem die Hüfte, wo der Gurt eng sitzt, schmerzt heute schon. Leider sind wir auch mehr bepackt als es zwingend nötig wäre. Allein das große Viermannzelt wiegt 4,4 Kilogramm. Der Topf ist auch ein normaler, kein speziell leichter Campingtopf. Und kulinarisch haben wir auch sogar ein Glas Pesto, Nudeln und eine Konserve Linsen dabei. Aber neue, leichtere Sachen extra für die Neuseelandtouren zu kaufen, die wir in Deutschland schon haben, macht keinen Sinn.
Viele, wenn sie die gesamte Strecke laufen, übernachten in Hütten, die es auf dem Weg ebenfalls gibt. Jedoch kostet da aktuell die Übernachtung 70 Euro pro Person. Also schon ein deutlicher Unterschied, aber man spart sich so natürlich auch Gepäck.
Die Nacht ist kalt und es regnet fast durch. Nach einem Porridge mit frischem Obst und Nüssen (ich sag ja, wir gönnen uns), geht es zur zweiten Etappe. Weniger Kilometer, daher deutlich mehr Höhenmeter. Der Park wird für uns noch schöner. Gefühlt könnte man wieder auf Fiji sein! Wahnsinn. Man kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus! Neuseeland ist einfach wirklich der Hammer! Nächste Woche sind wir an Gletschern und im Gebirge, und heute stehen wir in solch stahlend schönen Buchten! Was ist das nur für ein gesegnetes Land! Wirklich der Wahnsinn.
Auch heute wieder hauptsächlich Tagestouristen. Die Hüfte schmerzt weiterhin, vor allem bergauf ist mit Rucksack anstrengend. Aber, jeden Tag und nach jeder Mahlzeit wird der Rucksack leichter! Juhu!
Alle Anstrengung lohnt sich dreifach. Das nächste Camp liegt an einem wahnsinnig tollen Strand, man kann sich nicht satt sehen. Wieder sind wir die ersten mit Zelt und haben einen der schönsten Plätze, auf dem ich je gezeltet habe.
Wir zelten praktisch direkt am Strand. Couscous mit Tomatensuppe schmecken hier einfach top. Und wieder mit Meeresrauschen einschlafen und mit Meeresrauschen aufwachen. Die Nacht wird für mich leider auch wieder kalt. Und das Kopfkissen immer kleiner, da ich ziemlich all meine Kleidung an mir trage. David dagegen hat wieder mal die für mich unerklärliche Hitze, kaum was an und sich deshalb ein beneidenswertes Kopfkissen aus Kleidung gebastelt. Wir stellen uns den Wecker, um den Sonnenaufgang vor unserem Zelt zu genießen. Heute sind es 15 Kilometer bis zu unserem nächsten Camp. Eine Stelle gilt es zu überqueren, die man nur bei Ebbe durchlaufen kann. Zwischendurch mal die Schuhe auszuziehen tut gut! Heute sehen wir noch weniger Menschen... Manchmal führt der Weg an einem der karibischen Strände vorbei, oft sind wir mutterseelenallein! Das überrascht uns doch sehr. Für den letzten Tag ist eigentlich geplant, die 10 Kilometer zum offiziellen Ende des Treks zu laufen und dann wieder zurück zum Camp, in dem wir übernachtet haben und von wo uns mittags das Wassertaxi zurück nach Marahau bringen soll. Doch irgendwie sind wir faul... Am Strand lesen und chillen siegt dann letztendlich doch, statt nochmal einen 20 Kilometer Loop zu laufen - dafür ist der Strand einfsch zu schön. Auf dem Rückweg mit dem Wassertaxi sehen wir einen großen Seelöwen im Meer, der gerade einen großen Tintenfisch frisst! Zusammengefasst können wir diesen Trek wärmstens empfehlen und er ist gut geeignet, zu testen, wie es sich mehrere Tage mit Zelt, Geschirr, Essen, Kleidung etc. auf dem Rücken so läuft.
Am kommenden Tag mieten wir uns für einen Tag ein Kajak, nachträgliches Geburtstagsgeschenk meiner Eltern an David. Vom Wasser aus sieht der Nationalpark und die Strände ebenfalls super schön aus. Nach der recht langen Sicherheitseinweisung dürfen wir dann allein aufs Meer und umrunden zwei kleine Inseln, die man nur vom Wasser aus erkunden darf. Wir sehen viele Seelöwen faul auf Steinen in der Sonne liegen oder beim Schwimmen, sowie einige Vögel. Das Kajak ist sehr professionell und sogar bequem. Für das Mittagessen (gestern gebackene Pancakes mit Erdnussbutter, wir müssen dringend einkaufen) gibt es nur noch die Luxusentscheidung zu treffen, welche der zahlreichen kleinen schönen Buchten man ansteuern möchte. Wir sind ganz allein, fühlen uns ein bisschen wie Robinson Crusoe und genießen das tolle Ambiente, während Arme, Schultern und Bauchmuskeln Zeit zur Erholung haben. Als Abschluss vom Abel Tasman Nationalpark werfen wir noch einen Blick auf den "Split Apple Rock", ein Fels der tatsächlich so aussieht wie ein in der Mitte geteilter Apfel! 

Jetzt steht erstmal dringend Richtung Zivilisation und einkaufen auf dem Programm. So langsam bewegen wir uns nun Richtung neuseeländische Alpen!
Bis bald!

"Windy Wellington"Auf der Fähre Richtung SüdinselErster Blick auf die SüdinselGolden BayGolden BayPupu Springs, so klares Wasser!Spontanes Mittagessen am StraßenrandWhakariki BeachAufwachen mit Meerblick :)Startfoto Abel Tasman Trek, 4 Tage, 60 kmWas für ein Platz!Blick aus dem ZeltNur bei Ebbe zu überquerenWasser filternManukablüte (für den bekannten Manukahonig)Split apple rock

Dienstag, 12.11.2019

Unsere Zeit als Farmer beim Sitten von Haus, Hof und Tieren

Und dann war es soweit. Bev und Stu fliegen nach Australien, um dort zum ersten Mal ihren Enkelsohn zu sehen. Und wir sind ganz allein mit Haus, Hof und den vielen Tieren.

Am ersten Tag besichtigen wir die kleine Stadt Feilding. Dieses Städtchen wurde 14 mal in Folge zur schönsten Stadt Neuseelands gewählt, dementsprechend gespannt waren wir natürlich! Kurz gesagt: ganz nett, aber definitiv kein "Wow". Da sind wir einfach zu sehr verwöhnt. Wie schön unsere Heimatstadt Weinheim ist, der reizende Marktplatz... Die Altstadt von Heidelberg... In einigen Momenten auf der Reise lernen wir auch zu schätzen, wie wir aufgewachsen sind und was für eine schöne Heimat wir haben. Natürlich auch, was Deutschland doch auch alles zu bieten hat.
Doch Feilding ist auch bekannt für seinen wöchentlichen Viehhandel. Es ist der Ort, an dem in Neuseeland die meisten Nutztiere wöchentlich verkauft bzw. versteigert werden. In manchen Monaten sind es mehrere tausend Tiere! In vielen Gehegen stehen Schafherden unterschiedlicher Größen. Wir schauen uns die Auktion an, Männer gehen von Gehege zu Gehege. Viele Farmer stehen ebenfalls am Rand, doch ein eindeutiges Handzeichen zum Mitbieten suchen wir hier vergebens. Jeder hat hier sein Pokerface aufgesetzt und es ist lediglich ein kaum sichtbares Nicken zu vernehmen. Wir kommen mit einem Mann ins Gespräch, er erklärt uns ein bisschen den Ablauf. Sind bestimmte Zähne durchgebrochen, kann man dieses Schaf nicht mehr als Lamm verkaufen und es verliert somit die Hälfte des Wertes. Circa 80 Euro pro Schaf muss man hier hinlegen. Bleibt nur zu hoffen, dass hier keine Herde nach Nordafrika verschifft wird. Kaum vorstellbar, aber traurige Realität. Aus Neuseeland werden tausende Schafe pro Schiff tagelang bis nach Nordafrika gefahren, um dort vor Ort geschächtet (= Töten ohne vorherige Betäubung, entspricht "halal") zu werden. Die vielen kleinen Rindergruppen werden einzeln in eine Halle getrieben und von Sprechern beschrieben und angepriesen. Wir sitzen zwischen den ganzen, meist dicklichen, Farmern. Sobald das Gewicht der Herde auf dem Display erscheint, tippen sie fleißig in ihren Taschenrechnern und kalkulieren, wie viel Futterkosten hier auf sie zukommen würden, bis die Rinder das gewünschte Endschlachtgewicht erreicht haben. Rinder (Bullen) gehen an diesem Tag für 800 - 1000 Euro pro Kopf über den Tisch, während die Schafe für etwa 80-100 Euro verkauft werden.
Sehr, sehr interessant, das alles mal zu sehen und einfach auf sich wirken zu lassen. Wir gehen in einem kleinen Café noch etwas essen und machen uns dann wieder auf den Rückweg.
Der Sommer kommt mit ganz großen Schritten und so wird es am übernachsten Tag ein richtig sonniger Traumsonntag. Wir entscheiden uns, daraus einen Strandtag zu machen und fahren eine Stunde bis Foxton Beach. Alles was heute Beine hat, ist am Strand. So voll haben wir es noch nie erlebt in Neuseeland! Üblich ist es hier auch, einfach mit seinem Auto auf den Strand direkt zu fahren. Oder die Gassivariante: Hund raus und rennt neben dem Auto her.
Auch der nächste Tag bleibt sehr warm und sonnenverwöhnt, sodass wir uns für eine größere Wanderung entscheiden. Den Mount Maharahara besteigen. Zuerst müssen wir Schafweiden überqueren und kommen dann in einen Wald, in dem die Bäume sehr verwunschen aussehen. Es wird schnell steil, der Weg ist dermaßen bewachsen und teils mit Ästen zugestellt, dass es uns wie eine saisonale Erstbesteigung vorkommt. Nach ziemlich genau zwei Stunden haben wir die 900 Höhenmeter in der Tasche und stehen auf 1095 m. In der Ferne sieht man die hohen, schneebedeckten Berge, die die Nordinsel so zu bieten hat. Wir sehen, wo wir vor einigen Wochen das Tongariro Alpine Crossing gemacht haben. Hier oben schmeckt der selbst gebackene Kürbismuffin gleich nochmal besser.
Wie fast jeden Nachmittag rollen wir unsere Isomatten auf der großen Terrasse aus und machen unsere Übungen, hier mit neugierigen Schafen als Zuschauer. Und mit zwei Hunden, die das eher als Kuschelaufforderung sehen, wenn man sich auf den Boden legt.
Am nächsten Morgen füttern wir zuerst Hunde, Katzen, Ziege Lulu, Schweine Ernie und Bert und die Hühner, bevor wir die Hunde zur Schweinefutterabholrunde mitnehmen. Maddy und Meeka sind total aufgeregt und können es nicht abwarten, ins Auto zu springen. Die beiden LIEBEN Auto fahren! Auf dem Rückweg gehen wir eine große Runde Gassi, die beiden kennen sonst eigentlich nur das heimische Gelände. Da ist ein neuer Weg natürlich sehr spannend und voller neuer Gerüche. Zurück zu Hause schauen wir als erstes nach Milly. Schon heute Morgen haben wir gesehen, dass die Geburt bald losgeht. Die Vorderbeine schauen bereits heraus. Wir halten sicheren Abstand, um sie nicht unnötig zu stressen. Wie es der Zufall will, sind wir fünf Minuten später live bei einer Kuhgeburt dabei! Milly beginnt sofort, das Kälbchen abzulecken. Man sieht jedoch keinerlei Bewegung, keine Atmung. Sie lässt mich glücklicherweise ans Kalb heran. "Scheisse David, keine Atmung!" Ich versuche schnell, die Fruchtwasserreste aus dem Maul zu holen, teste schnell verschiedene Reflexe, aber es ist ziemlich schnell klar und leider traurige Wahrheit: Das Kalb ist tot. Die Augen sind schon trüb. Es ist nicht verwest, der Tod muss im Verlauf der Geburt eingetreten sein. Was für eine Sch... Milly putzt fleißig weiter und trocknet so das Kalb. David und ich starren noch etwas fassungslos auf das tote Kalb, das da mit seiner Nachgeburt liegt und von seiner Mutter beleckt wird. Nachdem wir uns gesammelt haben, schreiben wir sofort Bev und Stu. Wir sollen das Kalb begraben. Hinter den Schweinen auf der Wiese buddeln wir also ein großes Loch für das kleine Kälbchen und kommen dabei ordentlich ins Schwitzen. So hat Milly hoffentlich ausreichend Zeit, sich von ihrem Kalb zu verabschieden und zu verstehen, dass es tot ist. Ich habe schon mal miterlebt, wie ein neugeborenes Kalb von der Mutter getrennt wurde (damit die eigentliche Muttermilch in unseren Kühlschränken steht). Die Schreie von Mutter und Kalb waren wirklich herzzereißend und meine Angst dementsprechend groß, dass wir dies heute auch miterleben müssen. Mit einer Schubkarre holen wir Kalb und die übrig gebliebene Nachgeburt von der Weide ab. Milly ist schon nicht mehr bei ihrem Kalb, sie ruft uns nicht nach. Sie hat es wohl wirklich verstanden. Arme Milly. Nicht ohne ein paar Tränen schieben wir das Kalb zu seinem Loch und verbuddeln alles wieder. Puh. Kalb verbuddeln in Neuseeland. Stand jetzt eigentlich nicht auf der Bucket-Liste.
Eigentlich ist es auch ein schöner, sonniger Tag. Aber nach dem ganzen Ereignis ist die gute Stimmung heute verflogen. Bev und Stu hätten das weibliche Kalb behalten und es hätte hier ein traumhaftes Kuhleben führen dürfen. Ach, einfach echt traurig. Besonders blöd ist sowas natürlich auch, wenn man gerade auf Tiere aufpasst und dann sowas passiert.

Die restlichen Tage laufen fast mit einer Routine ab. Wir kochen und backen viel und ausführlich, gehen mit dem Hunden joggen, checken Schafe und Rinder täglich und versorgen morgens und abends alle Tiere. Besonders Ziege Lulu freut sich sehr über Aufmerksamkeit. Sie futtert fleißig Pellets aus unseren Händen, hält aber immer wieder inne, starrt uns mit ihren tiefblauen Augen an und sucht anschließend körperliche Nähe. Dann wird eben erstmal gekuschelt. Wenn wir später mal genug Platz haben sollten, wollen wir auf jeden Fall Ziegen halten! ;-) Unsere Setzlinge wachsen und gedeihen, wir können täglich beim Gießen zuschauen, wie sie größer und größer werden.
David organisiert über Facebook Laminat, das wir bei den Leuten für umgerechnet 16 Euro abkaufen und ich David für drei Tag kaum mehr sehe. Er ist in der Garage (Stu's "Man cave") oder im Baumarkt am messen, sägen, schrauben, einbauen. Bernadette erstrahlt nun in neuem Glanz, sieht doch echt schöner aus als der alte Teppich unserer französischen Vorgänger. Sogar ein Schuhregal baut David. 

Die morgendliche Stadttour zum Schweinefutter (Reste vom Vortag zweier Bäckereien) abholen (mit dem Auto von Bev und Stu natürlich) nutzen wir, um immer mal wieder einzukaufen oder andere Dinge in der Stadt zu erledigen. Einmal wollen wir eine Flasche Wein kaufen. Doch die Kassiererin verlangt von uns beiden (!) einen Ausweis, der beweist, dass wir beide über 25 Jahre alt sind. Wir gucken beide etwas geschockt, haben wir doch dieses Jahr beide unseren 30. gefeiert... Aber innerlich ebenfalls ein kleines "Juhu, wie gut haben wir uns nur gehalten, dass sie uns für unter 25 Jahren halten!". David hat nur seinen deutschen Führerschein dabei. Das reicht ihnen nicht und wir dürfen den Wein nicht mitnehmen. Ziemlich streng hier.
Eines Tages lahmt eines der Schafe. Mit allen Utensilien bewappnet, versuchen wir, es einzufangen. Rihanna zählt leider zu den etwas scheuen Schafen, mit Brot lässt sie sich nicht bestechen. Wir rennen über die Weide, Rihanna hat keine Lust auf Untersuchung und schlussendlich schaffen wir es nicht, ein lahmes Schaf einzufangen. Auch sie von der Herde abzutrennen und zu separieren, scheitert. Zu sehr stressen und unnötig jagen wollen wir sie natürlich auch nicht. Also beschließen wir, die gesamte Herde dorthin zu treiben, wo sie vor zwei Wochen geschoren wurden. Das klappt besser. Rihanna hat eine kleine Wunde, ein Ast hat sich unten am Bein in ihre Haut gespießt. Sie wird behandelt, bekommt noch eine kurze Pediküre und darf dann zurück zur Herde. Schon zwei Tage später läuft sie wieder ganz normal herum und wir sind froh. Ein anderes Mal zeigt uns der Stromkasten für den Zaun an, dass es irgendwo ein Problem gibt. Mit Walkie Talkies und Strommesser ausgerüstet begibt sich David auf die Suche, während ich immer wieder auf sein Kommando den Strom aus- und anstelle.

Der Sommer ist diese Woche da, angenehme 24 Grad herrschen und bringen direkt doppelt gute Laune mit sich. Es macht einfach Spaß, von so vielen verschiedenen Tieren und ihren Charakteren bzw. Macken umgeben zu sein. Zwei verregnete Mittage kommen uns dann aber auch fast ganz gelegen, so haben wir Zeit, die Südinsel zu planen und zu organisieren. Ein freudiges Kribbeln macht sich breit! Ja, wir sind bereit weiterzuziehen und neue Dinge zu erleben! Die Südinsel verspricht, wirklich super zu werden! Schon kommende Woche steht ein Mehrtagestrek auf dem Programm, der Abel Tasman Trek.
Auch einen Weiterflug haben wir inzwischen gebucht, am 20. Januar fliegen wir nach Denpasar, Bali. Ich schaffe es endlich auch, an einem normalen PC alle Fotos der bisherigen Reise auszusortieren. Dabei merke ich, dass vor allem Galapagos und Fiji Highlights waren... Wahnsinn, was alles in den letzten fünf Monaten passiert ist!
Jetzt bereiten wir alles für die Ankunft von Bev und Stu vor, backen noch einen Karottenkuchen und versuchen uns an einem typisch australischem Gebäck, den "Lamingtons". Und natürlich steht verabschieden von allen Tieren an. Wir werden sie echt vermissen, haben wir uns doch sehr an alle gewöhnt und ins Herz geschlossen. Maddy und Meeka, die uns auf Schritt und Tritt begleitet haben. Rita das Schaf, deren "Mäh" deutlich aus der Herde heraussticht (klingt als hätte sie jahrelang geraucht und getrunken). Sophie, die freundlichste Kuh. Lulu, die anhänglichste Ziege. Die Katzen mit ihren unterschiedlichen Macken. Und Ernie und Bert, die beiden Schweine, die heute ihren letzten Lebenstag haben. Wir drücken ihnen beide Daumen, dass die Schlachtung schnell und professionell verläuft.
Morgen früh geht es in neuer Bernadette dann nach Wellington, wo wir bis Freitag morgen bleiben....und dann geht's mit der Fähre rüber!

SetzlingeOrangen und ZitronenbäumeAuktionsplatz FeildingFeilding, 14 mal zur schönsten Stadt Neuseelands gewähltZähne zeigen um evtl. noch als Lamm zu geltenAuktion SchafeSchafe wiegenAuktion der RinderMt. Maharahara Beginn SchafweideMt. MaharaharaWeg Mt. MaharaharaAussicht Gipfel Mt. MaharaharaGeschafft!Kürbismuffin auf dem GipfelMilly leckt verzweifelt ihr totes KalbVerzweifelte RettungsversucheTotes Kälbchen....Joggen mit Maddy und MeekaSophie <3Sophie, die freundlichste KuhMilly mit dem großen EuterUnsere Samen wachsen und gedeihenErnie und Bert füttern, letzter Tag ihres LebensEssensreste der Bäckereien für Ernie und BertFutter vorbereiten für Ernie und BertHühner und Enten fütternGassi gehenEin bisschen kuscheln muss seinLulu <3Übungen mit kleinen StörungenEiersucheLulu:-)Foxton Beach, Kiwis fahren hier mit dem Auto direkt an den Strand!Foxton BeachDavid in der Man Cave in seinem ElementDavid hat uns ein Schuhregal gebautNeuer Look von BernadetteRihannas Wunde am Fuß verarzten und Pediküre

Donnerstag, 31.10.2019

Zweites Workaway auf einer Farm im Pohangina Valley

... Und weiter geht's zur kleinen Farm von Bev und Stu. Da wir hier insgesamt knapp drei Wochen sein werden, waren unsere Hoffnungen dementsprechend hoch, dass wir uns hier auch wohl fühlen würden. Die Farm liegt abgelegen etwa 20 Minuten nördlich von Palmerston North. Auf vier Hektar leben Bev (Beverly, 50) und Stu (Stuart, 60) mit ihrer felligen und fedrigen Familie (Kinder sind ausgezogen), die wir nun erstmal vorstellen wollen: mit ins Haus dürfen die zwei Hündinnen Maddy (Schokolabrador) und Meeka (Jack Russel) sowie die vier Katzen Jack, Jeffrey, Juno und Jasmin. Und ja, es fällt hier schon auf: Jede Tierart ist mit jeweils einem gleichen Anfangsbuchstaben benannt worden! Weiter geht's mit Ernie und Bert, zwei Schweine, die hier ihr extrem glückliches Schweineleben noch zwei Wochen führen dürfen, bis sie vom Metzger abgeholt werden. Eines unserer Favoriten ist Lulu, eine 13 - jährige Ziegenoma, die sich über jede Aufmerksamkeit und Streicheleinheit sehr freut. Denn ihre ehemaligen Ziegenkollegen sind leider schon verstorben und die Schafe mag sie leider nicht so. Sie lebt zusammen mit sechs Enten (deren Namen wir nicht mehr wissen) und sieben Hühnern. Auf der großen Weide stehen dann die Rinder zusammen mit den Schafen. Kuh Milly steht kurz vor der Geburt, demnächst gibt es hier also noch ein neugeborenes Kälbchen! Die anderen Kühe sind Felix, Red, Sandy und Sophie. Sophie wurde mit der Flasche aufgezogen und wird eines Tages künstlich besamt, damit sie Milch gibt und sich Stu und Bev die Milch mit ihrem Kalb teilen können. Sie ist eine sehr zutrauliche und verschmuste Kuh, der regelmäßige Kontakt mit Menschen ist also wichtig, damit sie sich irgendwann mal leicht melken lässt. Schafnamen beginnen hier alle mit "R". Anfangs dachten wir, dass wir die einzelnen 21 Schafe wohl nie auseinander halten werden können, aber mit etwas Übung und täglichem Kontakt klappt das sehr schnell. Verschiedene Punkte im Gesicht erleichtern das Auseinanderhalten und tatsächlich mal wieder der einzelne Charakter! Da ist Schaf Rita, mit einem pechschwarzen Kopf und dem lautesten "Määäh" von allen. Ricky, das Lamm, das absolut kuschelbedürftig ist und welches vor allem einen großen Gefallen an David gefunden hat. Schaf Rebecca mit ihren neugierigen Lämmern Ruby und Rose. Rihanna und Roxanne, beide ebenfalls sehr zutraulich. Rosemary, eines der braunen Schafe, die sich nie streicheln lassen. Ralf, der Schafbock. Lamb, das komplett schneeweiße Schaf, welches hier auch mit der Flasche aufgezogen wurde und man bei ihm aufpassen muss, dass er einen von hinten nicht umschubst. Nach ein paar Tagen kennen wir also den jeweiligen Charakter und die einzelnen Macken jedes einzelnen Tieres hier. Allein an der Vergabe von Namen merken wir schnell, dass Bev und Stu ihre Tiere wirklich lieben und wertschätzen. Sie gehen sehr liebevoll mit ihnen um und man merkt, wie beide voll darin aufgehen, sich um ihre einzelnen Charaktere zu kümmern. Dann und wann werden Schafe oder Rinder zum Schlachten gegeben. In drei riesigen Kühltruhen lagern Tiere, die sie immer noch namentlich benennen können. Von einem halben Rind leben die beiden ein Jahr (!!!) lang. Vor allem von Tieren, die sich schlecht im Handling zeigen, trennen sie sich. "Off with the head!", lacht dann Bev und macht dazu die entsprechende Handbewegung. Auch wenn ich es beileibe im Leben nicht könnte, ein Tier teils mit der Flasche aufzuziehen, täglich zu sehen und zu streicheln, um es anschließend zu essen, finde ich es bewundernswert und absolut richtig, wie die beiden das handhaben. Sie sagen, sie wissen so, dass das Tier ein tolles Leben bei ihnen hatte. Ich denke, würden mehr Menschen ihr eigenes Fleisch großziehen, gäbe es deutlich mehr Menschen, die kein Fleisch mehr essen würden. Die Tiere haben hier alle ein paradiesisches Leben und liebevolles Zuhause. Auch hier werden wir wieder mal wie Autos angestarrt als wir berichten, wie Nutztiere bei uns gehalten werden. Hier in Neuseeland ist es recht normal, sein eigenes Fleisch (und Gemüse) auf seinem großen Grundstück großzuziehen. Und genauso finde ich, müsste es mehr sein. Das Bewusstsein für das Tier haben. Das Wissen, dass es wenigstens ein artgerechtes Leben führen durfte. Das kann heutzutage doch nicht mal mehr jemand, der behauptet, er kaufe sein Fleisch aber ja doch in der lokalen Metzgerei.

Bei fremden Menschen in fremden Kulturen zu wohnen bedeutet immer, sich auf neue Regeln, Gegebenheiten, Routinen und Charaktere einstellen zu müssen. Das ist sehr spannend und manchmal auch ein bisschen anstrengend. Letzte Woche noch in das Leben einer jungen Kiwi Familie geschnuppert und jetzt den Alltag auf einer Farm mitleben. War letzte Woche bei den Hopkinsons noch die Regel, dass Handys nicht mit an den Essenstisch kommen, so herrscht hier die Routine, dass immer auf der Couch vorm Fernseher gegessen wird. Nie am Tisch zu essen ist für uns definitiv etwas total Neues. In Fiji bei den Familien auf dem Boden gegessen und jetzt hier eben immer auf der Couch mit einem Kissen auf dem Schoß als Tellerhalter. Dazu neben sich einen sich breit machenden Labrador und eine Katze zu den Füßen. Aber das ist etwas, das ich hier auf der Reise bemerke. Man gewöhnt sich extrem schnell um bzw. an neue Dinge und Gegebenheiten. Man wird viel flexibler. Nimmt neugierig alles auf und probiert es einfach mal aus. Und man reflektiert automatisch mehr sein, für uns aktuell "altes", Leben zuhause.

Mit Bev und Stu sind wir schnell "warm". Beide arbeiten tagsüber in der Stadt. Sie sind vor 13 Jahren aus der Stadt hierher gezogen. Das lustige (und das würde es in Deutschland einfach nicht geben): ihr Haus ist einfach mitgezogen! Es wurde in drei Teile zersägt und mit LKWs hierher transportiert und wieder zusammengesetzt. Ein Teil ist immer noch nicht fertig renoviert, es sieht stellenweise aus wie auf einer Baustelle. Ein Zimmer weiter ist dann alles komplett schön und fertig. Wir könnten so 13 Jahre lang nicht leben. Das Wochenende und den Feiertag montags sind wir dann zwölf oder mehr Stunden mit Bev und Stu zusammen. Wir zupfen mit den beiden Unkraut, helfen beim Rasen mähen, pflanzen mit Bev neue Setzlinge und misten den Ziegenstall aus. Doch ein Großteil besteht auch aus mit den beiden zum Markt fahren, in einer Mall bummeln, Pizza selbst machen und bei Cider und Bier das nächste Rugbyspiel von Neuseeland anschauen. Bev backt mit uns die typisch neuseeländische Kekse "Afghans" und "Anzac biscuits", wir kochen ihnen die Dampfnudeln nach dem Rezept meiner Großtante Gertrud und eine Gemüselasagne. Sie fahren mit uns zu einem Aussichtspunkt, wo wir die größte Ansammlung von Windrädern der südlichen Hemisphäre bestaunen können und machen abends ein Barbeque. Hier wird also nicht auf die Uhr geschaut, dass wir täglich unsere vier bis fünf Stunden arbeiten. Es kommt uns manchmal eher so vor, als freuen sich die beiden einfach über Gesellschaft. Den Gästen ihr Leben zeigen. Oder wir ersetzen die inzwischen ausgezogenen Kinder. In den vielen Gesprächen entdecken wir immer wieder Unterschiede zwischen Deutschland und Neuseeland. Das ist immer spannend!
Eines Mittags kommt der Schafscherer vorbei. Wir helfen beim Schafe treiben, bei der Verabreichung der Wurmkuren sowie bei der Klauenpflege. Schafe scheren sehen in Neuseeland mit grünen Hügeln im Hintergrund und einem leicht bewölkten Himmel. Ja, das alles ist genauso, wie ich mir Neuseeland immer vorgestellt hatte. Wie auf einer Postkarte.

Die meiste Wolle in Neuseeland ist laut dem Scherer für den Export bestimmt. Für die Schafe ist es die reinste Wohltat, man konnte deutlich in den letzten Tagen an ihrer schnellen Atmung sehen, dass sie unter dem dicken Fließ leiden und das immer wärmer werdende Wetter ihnen zu schaffen macht. Wie es einem Merinoschaf wohl erst ergeht?
Es dauert eine ganze Weile, bis Lämmer und Mütter wieder zueinander gefunden haben. Es ist ein einziges lautes Geblöcke und Gemähe. Ja, die Mutti hat jetzt eine neue Frisur! Sommerschnitt.

Neben all dem wird uns natürlich viel gezeigt und erklärt, damit wir für die anstehenden zwei Wochen allein gut gewappnet sind. So müssen wir bald das tägliche Abholen vom Schweinefutter übernehmen. Bev und Stu fahren dafür auf dem Weg zur Arbeit täglich zwei Bäckereien im etwa 30 Kilometer entfernten Palmerston North an. Durch eine Hintertür laufen wir mit ihnen direkt in deren Küche, stellen einen neuen Eimer hin und holen einen vollen Eimer mit den Essensresten des letzten Tages ab. Davon werden dann Ernie und Bert gefüttert, der Rest geht dann wirklich in den Müll. Das Futter besteht also aus Donuts, Muffins, Sandwiches, Salat, Karottenschalen, Pizzastücken, Pommes und Grillspießen. Kostenloses Futter für Bev und Stu, Verwerten von Speiseresten statt Wegwerfens auf der einen Seite. Doch auf der anderen Seite steht, dass man das Futter nicht wirklich als artgerecht bezeichnen kann. In Deutschland wäre sowas überhaupt nicht möglich. Speisereste an Schweine zu verfüttern ist bei uns strengstens verboten, um die Verbreitung bzw. den Ausbruch der gefährlichen Schweinepest zu verhindern.
Finden sich trockene Scheiben Toast (ohne Mayonnaise etc.) in den Eimern, werden diese von Bev und Stu separiert und damit die Schafe und Rinder gefüttert. Klar, so hat man schnell alle zu sich gerufen, kann sich bei ihnen einschleimen und begutachten, ob es allen Tieren auf der großen Weide gut geht. Doch das Verfüttern von Brot ist nicht so ganz ohne bei Wiederkäuern. Nicht umsonst steht in jedem Streichelzoo: Bitte kein Brot füttern, die Tiere können sterben!
Wiederkäuer brauchen langsam verdauliche Kohlenhydrate wie Gras und Heu. Schnell verdaute Kohlenhydrate wie weißes Brot kann schnell zu einer Übersäuerung bis hin zum Tod führen. Aber die Schafe und Rinder hier sind das wahrscheinlich schon gewöhnt und pro Tier sind es dann auch nicht die riesigen, verfütterten Mengen.
Es ist für mich manchmal schwer, den richtigen Weg zu finden zwischen etwas zu sagen, aber auch nicht alles infrage zu stellen zu wollen, was Menschen schon seit ewigen Jahren so handhaben (aus tierärztlicher Sicht). Ich kann mich nicht hinstellen und sagen, dies und das läuft hier ja völlig falsch. Aber zu manchen Dingen gar nichts zu sagen, wäre auch falsch. Ich bemühe mich um einen schönen Mittelweg.
An einem Nachmittag beschließen wir, ins Rugby Museum zu fahren. Vor allem der Mitmachbereich ist cool, man kann selbst mal das für Rugby typische "Scrummen" ausprobieren, testen wie hoch man springen kann, wie schnell man sprintet und wie schnell man zwei Gegner umtackeln könnte. Das Natur - und Geschichtsmuseum nebenan ist kostenlos, also nehmen wir das auch noch mit.
An unserem freien Tag unternehmen wir eine Wanderung in einer nahegelegenen Schlucht und dann verbringen wir auch schon den letzten Abend mit Bev und Stu, bevor sie morgen nach Australien fliegen.
Und wir steigern uns von 4 Quadratmeter Bernadette auf 4 Hektar Grundstück!

 Kostenloses Campen auf dem Weg zur neuen FarmMeekaDavid mit der Ziegenoma LuluDer GemüsegartenBlick von der TerrasseDas HausRitaRebeccaMeeka und MaddyAlles blüht!Wunderschöne AbendstimmungKuscheln mit StuDie WeideSophie, wird mal die HauskuhAm gärtnernDas typische NeuseelandbildDampfnudelScrummen im Rugby MuseumSchafe scherenGorge WalkJuno, Jack, Jeffrey und JasminPizza backen mit Bev und StuTypisch neuseeländische Kekse backen mit BevWanderung mit Maori SkulpturGrößte Windradansammlung der südlichen HemisphäreErnie und BertDie Rinder

Mittwoch, 23.10.2019

Wwoofen bei den Hopkinsons

Ein bisschen aufregend ist es ja schon, einfach so zu wildfremden Menschen zu fahren. Wie wird es werden? Was erwartet uns in der kommenden Woche? Sarah macht uns die Tür auf, lacht breit und ruft laut "Hiiiiiiiiiiii!!!!". Sie und ihr Mann Marcus umarmen uns sofort, es ist auf Anhieb herzlich, fröhlich und total nett. Fast als wäre man nochmal im Fiji. Marcus (45) ist ursprünglich aus England, Sarah (40) ist Kiwi. Die beiden Söhne Fred (5) und Albie (8) komplettieren die Familie. Sie zeigen uns unser kleines Garten Cottage Häuschen, über der kleinen Veranda hängt eine große Marakujapflanze. Ziemlich direkt gibt es Abendessen und wow, das kann sich sehen lassen! Was für ein immenser Unterschied zu Carolyn... Die Hopkinsons haben einen so großen Garten, dass sie (aktuell außer Kartoffeln und Zwiebeln) ihr gesamtes Gemüse aus eigenem Anbau genießen können. Diverse Obstbäume sind gepflanzt, in den kommenden Jahren wollen sie auch hier völlig autark werden. Man kommt direkt ins Gespräch, was für nette Menschen und für eine coole Familie! Sarah zeigt uns danach den gesamten Garten und wir sind sehr beeindruckt, was hier alles wächst. Ich weiß noch, wie unglaublich stolz wir waren, als wir vom Berliner Balkon drei Miniatur Tomaten "geerntet" haben. Das hier ist der reinste Garten Eden. Sarah lebt für ihren Garten, man merkt richtig, wie sie mit Leib und Seele dabei ist und wie viel Freude es ihr bereitet. Sie zeigt uns auch ihre Regenwürmer. In mehreren übereinander gestapelten Plastikwannen leben hunderte von Regenwürmern und verwerten munter organische Küchenabfälle. Ganz unten, im "Regenwurm - Urin" soll dann die beste natürliche und kostenlose Nährflüssigkeit für Pflanzen enthalten sein. "Compost - tea" nennt man das im Gärtner - Fach - Jargon. Selten haben wir jemand mit einer solchen Leidenschaft für Regenwürmer erlebt wie Sarah. Aber ist auch wirklich cool, was die kleinen Würmer so alles für einen leisten. Weiter geht es zu den sechs Hühnern. "Ladiiiees, come on!", ruft Sarah ihre "Mädels", und die kommen auch wirklich gaggernd angelaufen. Zwei sind sehr zutraulich und lassen sich gerne streicheln. Wie Sarah ihre Hühner auseinander hält? An ihrem Charakter! Wie schön das ist, und gleichzeitig macht es einen traurig, wenn man so etwas hört und dann weiß, wie viele Hühner ihr Leben fristen müssen. Immer wieder kommt bei uns beiden der Gedanke "Ach, so sieht das also aus" auf, als wir die Pflanzen gezeigt bekommen. Wir hatten uns beispielsweise Rucola als Art Pflücksalat vorgestellt und nicht als Strauch. Und jetzt sind wir schon mit Opas (und meiner Großtante Gertrud) aufgewachsen, die je einen großen Garten hatten bzw. haben. Völlig fremd ist uns das also alles nicht. Und trotzdem wissen wir irgendwie so wenig, dass wir uns teilweise wie die größten Stadtkinder vorkommen. Ist das nicht traurig? Wir Menschen essen das oftmals täglich und wissen nicht mehr, wie es als Pflanze aussieht?
Am ersten Tag beginnt David, wie im Vorhinein mit ihm abgesprochen, die Sauna zu kärchern. Ich soll in der Zeit anfangen, vorne am Eingang Unkraut zu zupfen und Bambusstäbe zurecht zu schneiden. Vor die Eingangsmauer sollen große Sonnenblumen gepflanzt werden. Sarah zeigt mir, wie sie sich alles vorstellt. Dabei fällt ihr ein Regenwurm beim buddeln in der Erde in die Hände. "Oh wow, a beautiful worm!". Naja, eigentlich ein ganz normaler Regenwurm, aber Sarah kann diesen Tieren wirklich alles abgewinnen. David und ich hören Musik und arbeiten vor uns hin, die Zeit vergeht recht schnell und es macht sogar ein bisschen Spaß. Mal so richtig mit den Händen im Dreck wühlen. Wie schön es sein muss, wenn man dann in ein paar Monaten das Ergebnis sieht und große Sonnenblumen hier wachsen. Ich kann mir immer mehr verstehen, wieso Menschen so viel Freude am Gärtnern haben. Es muss echt ein tolles Gefühl sein, abends mit einem Korb durch den eigenen Garten zu laufen und sich alles Gemüse frisch zu ernten.
Pünktlich nach vier Stunden Arbeit stellt Sarah uns ein leckeres gekochtes Mittagessen auf den Tisch. Die Sonne scheint und wir laufen circa drei Minuten und sind an einem tollen, langen Strand. Neuseeland ist doch echt einfach spitze, es gibt sehr viel Natur, Berge und menschenleere, ewig lange Strände. So ein toller Strand wäre in  Europa entweder übersät mit Liegen und Menschen, oder wäre angeschlossen an riesige Hotelblocks und Restaurants. Und hier, hier ist das ganz einfach normal. Man hat hier eben überall diese Strände, mal geht jemand mit dem Hund spazieren oder joggen. Aber es sind natürlich auch viel weniger Menschen, die hier umgerechnet auf die langen Strände kommen. Beim Abendessen überraschen uns Sarah und Marcus. Wir hatten erzählt, dass wir deutsches Brot so vermissen. Stolz stellen sie uns das deutscheste aller Brote hin: Pumpernickel! Echt süß von den beiden!
Am nächsten Tag streichen wir beide die Sauna und den Sichtschutz neu. Da hat mein Schwiegervater uns beim Streichen der Berliner Wohnung im Mai doch gut angeleitet. Wir sind zufrieden mit unserem Ergebnis, Sarah und Marcus flippen fast aus, wie schön und toll es geworden ist. Am Abend kommt eine Kollegin von Sarah vorbei, die beiden kennen sich aus Bali und bauen hier zusammen in Neuseeland eine Schule auf, die "Green School". Lesley kommt ursprünglich aus den USA, sie ist sehr unterhaltsam und so sitzen wir einige Stunden bei vietnamesischen Sommerrollen, Bier und Gin Tonic beisammen, lernen die Hintergründe ihres Projektes kennen und reden über dies und das. Am nächsten Tag regnet es eigentlich den gesamten Tag... Wir pflanzen die kleinen Sonnenblumensetzlinge ein und lernen, dass man Setzlinge immer stark bewässern soll und sie so weit in ihrer eigenen Erde lassen soll wie möglich, damit sie keinen Schock erleiden. Anschließend  bedecken wir die kleinen Kartoffelsetzlinge mit Erde und sind dann auch schon pitschnass. Sarah sagt, wir sollen uns heute einen gemütlichen Tag machen, wir haben effektiv 45 Minuten gearbeitet. Wir hätten gestern bei der Sauna ja auch soo hart gearbeitet. Das scheinen sie uns sehr hoch anzurechnen. Auch schön, aber was soll man bei dem Wetter auch draußen schon machen. Mittags gehe ich in die Sauna und lasse mich von den Regentropfen im grünen Garten abkühlen. Am Abend besuchen wir eine Aufführung von Oberstufenschülern in einer Highschool, welche Marcus uns empfiehlt. Es geht um eine wahre Begebenheit in der Geschichte der Maori, bei der Engländer Bauern von ihrem Land vertrieben haben. Das Stück wird in te reo, der Sprache der Maori, aufgeführt. Es wird viel getanzt, gesungen, alle Schüler sind wirklich sehr talentiert! Am Ende wird dann nochmals der traditionelle Kriegstanz "Haka" getanzt. Viel Fußstampfen, weit aufgerissene Augen, die Hände zu Fäusten geballt und lautes Rufen bzw. Schreien. Tatsächlich einschüchternd! Als die Schüler das ganz am Ende nochmal tanzen, springen spontan Mütter aus dem Publikum mit auf, tanzen und schreien voller Inbrunst (!) mit! Wahnsinn! Wirklich sehr beeindruckend! 

Am nächsten Morgen sind wir beschäftigt mit neuer, fruchtbarer Erde für neue Setzlinge anmischen, getrocknete Palmenblatter zusammenfalten als Kaminanzünder und dem täglichen Versorgen der Hühner. Abends schauen wir dann mit der Familie und Lesley unser erstes Rugby Spiel im Wohnzimmer auf einer Leinwand. Für das Spiel Neuseeland gegen Irland ziehen dann Sarah, Lesley, David und ich weiter in die einzige Bar weit und breit. Die Stimmung ist wie erwartet gut, die "All Blacks" tanzen wie vor jedem Spiel auch ihren Maori Kriegstanz und die Menschen fiebern lautstark mit ihrem Team mit. Ein Glück gewinnt Neuseeland sehr deutlich, wir dürfen also noch hoffentlich mehr als einmal mit den Kiwis für ihre Mannschaft mitfiebern! Rugby hat hier etwa den Stellenwert wie bei uns Fußball. Bei jedem Treffer wird an unserem Tisch angestoßen und Lesley fällt auf, dass nur wir Deutschen wie bekloppt die Augen aufreißen und jedem in die Augen starren. Stimmt, das ist irgendwie wirklich komisch und fällt uns erst da so richtig auf, wie komisch das für andere aussehen muss...
Das späte Einschlafen ist kein Problem, am Sonntag ist nämlich unser freier Tag! Die Hopkinsons besuchen heute Freunde in Wellington und setzen uns netterweise an unserem Ausgangspunkt unserer Wanderung ab. Doch das Wetter macht uns, wie fast jeden Tag hier, einen Strich durch die Rechnung. Schon nach 15 Minuten regnet und windet es, eigentlich war heute schönes Wetter angekündigt... Echt nervig... Es hört nicht auf und der Weg oben auf einem Grat ist völlig in Wolken gehüllt. Auf eine tolle Sicht muss man heute wohl nicht warten. Wir drehen leider also um, fahren das Stück mit der Bahn und laufen dann die letzten 8 km wieder nach Hause. Das Wetter hätte echt besser sein können und es ist wohl ein ungewöhnlich kalter Frühling! Na toll, ausgerechnet wenn wir da sind... "Sprinter" sagen die Neuseeländer zu diesem winterhaften Frühling. Passend dazu hüpfen wir nachmittags in die Sauna, schon cool, eine Sauna im Garten zu haben! Dann gibt's einen frischen Minztee, fix im Garten gepflückt. Abends spielen wir mit den Jungs mal wieder unzählige Runden eines Kartenspiels und genießen wieder mal Sarahs Kochkünste. Ach, es ist einfach so so schön hier!
David und ich haben während eines Spaziergangs tatsächlich darüber gesprochen, ob wir es uns vorstellen könnten, hier nach Neuseeland auszuwandern. Die Mamas und Papas können aber aufatmen, wir werden das nicht tun ABER, wir sind uns einig: Gäbe es Familie und Freunde nicht, an denen wir zu sehr hängen, als am anderen Ende der Welt zu wohnen.....und müsste ich nicht diese abnorme Prüfung ablegen, um hier als Tierärztin arbeiten zu dürfen.... Dann würden wir ernsthaft darüber genauer nachdenken. Neuseeland ist schon DAS Land! Das Land, in dem man irre lange und schöne Strände und gleichzeitig die "Alpen" hat. Das Land, in dem so viel wächst und das soo abwechslungsreich ist. Und das Land, das einfach eine wahnsinnig schöne und vielfältige Natur hat, man aber zum Beispiel medizinisch trotzdem unsere Standards hätte. Zu schade, dass es so weit weg von Deutschland ist. Aber dass man hierher auswandert, das können wir mittlerweile wirklich absolut nachvollziehen (und die angeblich schönere Südinsel haben wir noch gar nicht gesehen... ;)).
Ansonsten erledigen wir an Jobs noch das Pflanzen neuer Setzlinge und bauen eine aus Bambus gewebte Wand seitlich neben der Sauna. Ist wirklich ganz cool geworden und David ist völlig in seinem Do-it-yourself-Element. Sarah und Marcus sind dermaßen begeistert von der Bambuswand, dass wir am nächsten Tag noch eine für sie bauen. An unserem letzten Nachmittag scheint dann auch nochmal endlich die Sonne für ein paar Stunden und wir können nun doch die Wanderung, die wir am Sonntag angetreten hatten, machen. Und dann steht auch schon der letzte Abend mit der Familie an... Ein letztes Mal Karten spielen mit den Jungs und das köstliche Essen genießen. Wir sind von Sarah und Marcus bei Freunden auf der Südinsel weiterempfohlen worden und dürfen jederzeit wieder hierher kommen. Auch ein paar Tage, ohne arbeiten zu müssen. Vielleicht machen wir das wirklich auf unserem Rückweg im Januar nach Auckland. Schon ist sie vorbei, die Zeit in der harmonischen Familie Hopkinson. Danke für alles, wir hatten eine echt tolle Woche!

Unser Cottage im GartenGarten Eden der HopkinsonsDer GartenRegenwurmkompostMittagswanderungDie wunderbare Familie :-)Sonnenblumen pflanzenGartenMittags an den Strand :)Karten spielen mit Albie und FredTierquartett mit FredSamen pflanzenWeben von BambuswändenUnsere gestrichene Sauna und unsere Bambuswand :)MittagessenFrisch geerntet aus dem Garten fürs AbendessenTradioneller Maori Haka bei einer SchulaufführungRugby NZ-Irland in einem Pub mit Sarah und LesleyEscarpment Track

Mittwoch, 16.10.2019

Lake Taupo und das Tongariro Alpine Crossing

Hallo!
Taupo ging genauso spannend weiter wie Rotorua geendet hatte. Da am ersten Tag das allerbeste Wetter herrschte, sind wir direkt zu den Aratiatia Rapids gefahren. Hier werden drei mal täglich große Wassermengen aus einem Stausee entlassen und man kann kostenlos zuschauen, wie ein kleines Flüsschen innerhalb von Minuten zu einem reißenden Fluss wird. Das war echt cool! Danach haben wir die Huka Falls besucht, einen Wasserfall, dessen Wasserfarbe mal wieder umwerfend schön ist. Türkisblau, Neuseeland verwöhnt einen geradezu mit seinen Farben. In der Nähe von einem Fluss steuern wir einen kostenlosen Übernachtungsplatz an. Um das gute Wetter zu nutzen, machen wir unsere Übungen auf der Wiese auf unseren Isomatten und testen danach das erste Mal unsere "Solar Shower". Man füllt einen schwarzen Sack mit Wasser, lässt diesen von der Sonne erwärmen und benötigt dann nur noch einen hohen und starken Ast, an dem man den Sack befestigen kann. Das Restwasser, dachten wir, behalten wir einfach und lassen es im Auto schon mal etwas aufwärmen. Eine ziemlich dumme Idee, wie sich später herausstellt. Das Ventil ist undicht, uns laufen vier bis fünf Liter Wasser hinten ins Auto. Schön in den Teppich und die darunter liegende Isolierungsschicht. Jetzt heißt es, versuchen alles so schnell wie möglich so trocken wie möglich zu bekommen. Denn auf Schimmel oder womöglich Rausreißen haben wir keine Lust...
Der nächste Tag ist wie angekündigt verregnet, also fahren wir ins Museum von Taupo und lernen etwas über den See, die Vulkane hier und das geothermale Gebiet, in dem wir uns immer noch befinden. Das erste Mal duschen wir heute in einem öffentlichen Duschblock, dem "Superloo". Für umgerechnet 1,50 Euro kann man vier Minuten heiß duschen, coole Sache! David geht anschließend nach Ecuador mal wieder zum Frisör und Barbier (so kurz waren die Haare noch nie!) und wir statten dem "Coolest McDonald's in the world" einen Besuch ab. Hier kann man in einem alten Flugzeug sitzen, sehr nett gemacht und definitiv der außergewöhnlichste McDonald's, in dem wir je waren. Übernachtet wird wieder kostenlos fast direkt am See, doch es regnet und regnet, die Sicht lässt leider zu wünschen übrig. Der nächste Tag ist noch schlimmer mit Regen, wir fahren mal wieder ins Schwimmbad! Für nur fünf Euro hat man Eintritt zu allen Becken und sogar der Sauna! Hier fällt uns wieder auf, wie unterschiedlich das zu Deutschland ist. In der Sauna lässt jeder seine Badekleidung an, jeder nimmt seine Wasserflasche mit rein und ein Mann breitet sogar Straßenkleidung aus, um sie zu trocknen! Typisch Kiwis, jeder fragt uns sofort woher man kommt, wie lange man hier reist etc. Wesentlich kommunikativer als in Deutschland, wo jeder ein kurzes "Hallo" murmelt und sich seinen Platz sucht. Doch jetzt geht's endlich in den Tongariro Nationalpark! Wir machen am folgenden Tag Neuseelands schönste Tagestour! Das Tongariro Alpine Crossing. Im Sommer laufen hier wohl bis zu 5000 Menschen täglich dieses Weg! Klingt ziemlich überlaufen und ziemlich beliebt. Jeder, der das gemacht hat, ist jedoch in den höchsten Tönen begeistert, es muss wirklich toll sein. Da aktuell noch Schnee und Eis liegt, ist es ratsam, die Tour mit einem Guide durchzuführen. Aktuell läuft man wohl noch mit Steigeisen stellenweise. Es kitzelt uns beide, die Tour jetzt schon zu machen statt auf unserem Rückweg im Januar. Schneebedeckt und dann der Sonnenschein... Und viel, viel weniger Menschen, all das ist doch sehr verlockend und wir buchen uns in eine geführte Gruppe ein. Um sieben Uhr ist Treffpunkt und es wird brechend voll in der kleinen Agentur. Hatten nicht nur wir diese Idee. Interessant ist zu sehen, wie manche hier "ausgestattet" sind. Wir sehen Jeans, Sneakers, normale Winterstiefel. Am Ausgangspunkt angekommen werden die etwa 40 Leute in kleinere Gruppen eingeteilt. Wir kommen in Gruppe 1 und sind insgesamt 9 Leute. Unser Guide wird Felix und schon bei der Begrüßung hören wir einen gewissen hessischen Klang in seinem Englisch. Schnell kommen wir mit ihm ins Gespräch, er ist eigentlich gelernter Klempner und kommt aus Heusenstamm! Das ist ein kleiner Ort nahe Offenbach, in dessen Nachbardorf ich zwei Jahre lang gelebt und meine Ausbildung zur Tiermedizinischen Fachangestellten gemacht habe! Zwei Gedanken schießen uns durch den Kopf: 1. Wie klein ist die Welt? 2. Wieso haben wir die Tour nicht doch allein gemacht, wenn der Guide ein Klempner ist und seit drei Monaten hier arbeitet? (Zumal er Gruppe 1 anführt, da er der erfahrenste der Guides ist) 
Wir sind eine bunt gemischte Gruppe, alle sind recht fit und nett, so arbeiten wir uns Kilometer für Kilometer weiter hoch in die Berge. Die Landschaft wird immer schöner, jetzt zeigt sich auch mal der Mount Doom ganz ohne Wolken. Hier wurde Herr der Ringe gedreht, es ist der Berg des Bösen (Sauron). Eigentlich ist ganz Neuseeland ein einziger Schauplatz dieser Filme. Zu dumm, dass ich immer eingeschlafen bin, jetzt sagt mir der Berg beispielsweise überhaupt nix. Nach 776 Höhenmetern stehen wir dann vor einem gewaltigen Vulkankrater. Alles voller Schnee, rechts und links die teils mit Schnee bedeckten Berge, was für ein Panorama! Über Funk steht Felix mit den Guides der anderen Gruppen in Kontakt. Es gab wohl eine Gruppe, die Essen und Trinken vergessen hat. Wie bitte? Keine Ahnung, wie sich andere Menschen eine 19,4 km lange Tour so vorstellen, aber was zu essen und zu trinken sind doch schon eine ganz gute Idee. Wir als Gruppe sind zu schnell im Vergleich zu den anderen. Wir müssen immer wieder warten oder extra lang Pause machen, damit die anderen uns Stück für Stück einholen können. Lange Zeit laufen wir nun durch den Vulkankrater im Schnee. Ohne Steigeisen. Seit zwei Tagen werden keine Steigeisen mehr benötigt. Ach man, wir hätten also wirklich problemlos diese Tour ohne Guide machen können. Und definitiv mit weniger und kürzeren Pausen... Es geht weiter. Ausblick über (eigentlich) zwei Seen. Einer ist leider noch verschneit. Wir laufen nun wieder lange Zeit durch Schnee, sobald die Sonne rauskommt ist es sehr warm. Sogar für mich! Keine Spur von anderen Menschen hier im Schnee. Ringsrum wieder eine wahnsinnig schönes und majestätisches Panorama! Spätestens bei diesem Abschnitt hat jeder nasse Füße. Sneakers wollte ich jetzt wirklich nicht tragen.
An zwei Stücken benötigen wir dann immerhin den Eispickel, um auf dem schmalen Weg besseren Halt im Schnee zu finden. Nach 1100 Höhenmetern bergab sind wir dann alle auch wieder am Parkplatz und werden in einem Bus zum Ausgangspunkt zurück gefahren. Manche Leute sind richtig kaputt und wir merken, dass wir durch das ganze Wandern und die viele Bewegung gerade fit geworden sind.
Am nächsten Tag verlassen wir den Nationalpark und fahren nach Wanganui. Auf einem Parkplatz vor einem Sportkomplex darf man kostenlos übernachten. Wir erkunden ein bisschen Wanganui und schauen bei den für die Stadt bekannten Glasbläsern vorbei. Sowas haben wir beide noch nie gesehen, daher war es echt interessant, das alles mal live zu sehen.

Jetzt sind wir schon über vier Monate unterwegs, so lange war vorher noch keiner von uns von zuhause weg. Ich hätte nie gedacht, dass ich so wenig Heimweh haben würde. Ich hatte eigentlich immer großes Heimweh. Aber vielleicht ist man mittlerweile auch einfach erwachsener geworden als früher. Das merken wir spätestens immer, wenn wir Leute treffen, die einen "Abi 2019"- Pulli tragen. Und davon gibt es hier echt einige! Puh, da fühlen wir uns beide immer echt alt... Im Gespräch mit ihnen merkt man dann auch doch selbst an sich, dass man irgendwie doch älter ist als süße 18 Jahre.
Vielleicht kommt ja irgendwann auf der Reise der Punkt, an dem man an einer gewissen Reisemüdigkeit leidet. Vielleicht wäre es sogar ganz gut, wenn dieser Punkt wirklich kommt, das würde das Heimkommen doch sehr erleichtern. Doch davon ist derzeit nicht der leiseste Funken zu spüren! Im Gegenteil, wir strotzen vor Reisefreude, dem Gefühl von purer Freiheit, Unabhängigkeit (auch dank der guten Bernadette) und der Neugier auf neue Kulturen. 

Wir staunen nicht schlecht, das nah gelegene Schwimmbad kostet drei Euro (!!) Eintritt! Im Preis inbegriffen: Zugang zum Fitnessstudio, zu dem großen Pool mit Bahnen, Sauna und verschiedene Hot Pools. Das nutzen wir direkt an zwei aufeinander folgenden Tagen und schwitzen im Fitnessstudio, schwimmen einige Bahnen und sitzen im Hot Pool, bis die Haut runzlig ist. Frisch geduscht, ausgepowert und glücklich geht's dann zurück ans Auto. Drei Euro... Das ist echt irre! So oft, wie wir hier schon im Hallenbad waren, waren wir in Deutschland noch nie so kurz hintereinander. Haben uns auch günstige Schwimmbrillen gekauft und ich finde wieder richtig Gefallen am Schwimmen. Neben uns ist einmal ein Schwimmkurs, sie lernen kraulen. Da kommen Kindheits- bzw. Jugenderinnerungen hoch!
Jetzt geht's Richtung Süden, nach Paraparaumu! Bei der Familie Hopkinson werden wir für eine Woche lang wwoofen. Das steht für "Working worldwide on organic farms". Eine Farm ist es dieses Mal zwar nicht (es gibt nur ein paar Hühner), aber ein großer, organisch betriebener Garten wartet auf uns. Wir sind gespannt, was alles auf uns zukommt in der Woche und was wir alles über organisches Gärtnern lernen werden! Außerdem wohnen wir nur zwei Querstraßen von einem sehr langem Strand entfernt, die freien Nachmittage bei schönem Wetter sind also gesichert :-) 

 

Ataitara RapidsHuka FallsLake Taupo mit den BergenZeit für FrisörDer als coolster McDonald's beschriebene McDonald'sAbendliches KochenFREIHEIT!!! :-)Besuch von einer EntenfamilieGlasbläserei in WanganuiSolar showerTypisches Maori HausMount Doom (bekannt aus Herr der Ringe)Tongariro Alpine CrossingDurch diesen Vulkankrater sind wir gelaufenFitnessstudio, Eintritt zu allen Pools und Sauna für nur drei Euro(!)

Mittwoch, 09.10.2019

Mountainbiken, Rafting, Geysiere und blubbernde Schlammlöcher: Rotorua

Haere mai!
Aufregende und actiongeladene Tage liegen hinter uns, Rotorua lässt auch wirklich keine Wünsche offen. Rotorua liegt an einem gleichnamigen See und ist vor allem bekannt für seine geothermische Aktivität. Hier sind wir jetzt in einem der vulkanisch aktivsten Gebiete dieser Erde! Als wir am Donnerstag die Farm verlassen haben, sind wir als erstes in eine Bank gefahren, um unser Konto zu eröffnen. Dies geht hier vergleichsweise zu Deutschland einfach und vor allem eins: schnell! Die Frau tippt regelrecht motiviert in die Computertasten, wir müssen ein paar Unterlagen zeigen, ein paar Fragen beantworten und schon sind wir jeder Besitzerinnen eines Kontos. Das gute ist, dass man die Karte auch direkt in die Hand bekommt, denn auf etwas per Post warten wäre hier auf jeden Fall schwieriger. In Rotorua selbst ergattern wir einen der wenigen kostenlosen Plätze der Stadt fast direkt am großen See. Glücklicherweise ist heute Donnerstag und jeden Donnerstag Abend findet in der Fußgängerzone ein "Night Food Market" statt! Rotorua ist bisher die einzige Stadt in Neuseeland, die uns so richtig gut gefällt. Zu Fuß können wir direkt in die Innenstadt laufen, es gibt kleine Cafés, mehrere Geschäfte und eine kleine Mall. Doch zuerst erkunden wir den Park, der von Bernadettes Standort nur fünf Minuten entfernt beginnt. Der Park ist voller dampfender Seen und kleinen, blubbernden Schlammlöchern. Es riecht teilweise extrem nach Schwefel, die Erde ist hier förmlich aktiv! Auch immer wieder in der Stadt "stinkt" es danach. An einer Stelle kann man seine Füße in einem warmen geothermischen Becken aufwärmen, das nehmen wir natürlich gerne wahr. Rotorua ist also nicht nur ein nettes Städtchen, sondern gleichzeitig kann man auch sehr viel um Rotorua erleben und entdecken. Wir schlendern also über den Essensmarkt und fühlen uns kurz nach Berlin gebeamt, denn es gibt Essen aus allen Herren Ländern und Kulturen, jippieh! Gemeinsam futtern wir uns durch indische Pakoras, palästinensische Falafelwraps und japanische Ramen.
Am nächsten Morgen wollen wir im bekannten Redwood Forest (oder in Maori Sprache auch Whakarewarewa genannt) Mountain biken gehen! Doch zuerst machen wir einen kurzen Stop im Supermarkt, um Brötchen fürs Mittagessen zu kaufen. Wir stehen gerade in der Backwarenabteilung und überlegen, welche Brötchen wohl die krachigste Kruste haben (die Blicke werden inzwischen geschulter), als plötzlich eine weibliche Stimme "Hey!" hinter uns sagt. Als wir uns umdrehen, gucken wir glaube ich wie Autos, Marlene steht vor uns! Die 18- jährige Abiturientin aus Brandenburg, die wir in unseren allerersten Tagen in dem Hippie-Kommunen-Hostel in Auckland kennengelernt haben! Was für ein Zufall! Man trifft Reisende echt immer wieder... Sie reist aktuell mit einem Jahrmarkt mit und verkauft Tickets. An Supermarktkassen läuft hier übrigens auch etwas ganz anders ab als bei uns. Man legt seine Waren auf das Band, lässt seinen eigenen Einkaufswagen jedoch an der Kasse hinter sich stehen für den Hintermann. Die Kassiererin packt dann die gescannten Waren sehr ordentlich für einen direkt in den Einkaufswagen, mit dem die Person vor einem an der Kasse einkaufen war.
Doch jetzt geht's ab in den Wald, die Sonne scheint und wir freuen uns darauf, im Paradies für Mountainbiker zu strampeln. Wir haben gelesen, dass dieser Wald unter Mountainbikern weltweit bekannt ist, es gibt über 140 Kilometer lang Strecken mit den verschiedensten Schwierigkeitsstufen. Von Redbull wurde der Wald mal zu dem besten der Welt für Mountainbiker gekürt. Das klingt doch verlockend! Wir beginnen aber mit dem "Kids Loop", erstmal reinkommen und ein Gefühl fürs Rad entwickeln. Es macht super viel Spaß zwischen den roten Mammutbäumen und den Art riesigen Farnen zu fahren. Die Strecken sind extrem gut gemacht, es geht bergauf und bergab über Stock und Stein. Wir fahren vier Stunden lang und arbeiten uns bis zum fortgeschrittenen Level hoch. Teilweise geht es über Wurzeln und Stufen, unfreiwillig springen wir beide an einer Stelle sogar! Durch das häufige Aufstehen beim Mountainbiken merkt man irgendwann auch ganz schön seine Oberschenkel. Anschließend fahren wir zu einem richtigen Campingplatz, heute brauchen wir definitiv eine Dusche! Wie cool, die Frau an der Rezeption sagt uns, dass wir ein nah gelegenes Fitnessstudio mitbenutzen dürfen! Da bleiben die Sportsachen einfach an und wir "pumpen" noch eine Stunde in dem echt ollen und unmodernen Fitnessstudio.

Doch jetzt reichts für heute, wir dümpeln abschließend in einem der natürlich geothermische gespeisten Mineralpools des Campingplatzes (40 °C, schöööön warm) und kochen dann Abendessen. Der nächste Tag beginnt kalt und regnerisch. Mensch Sommer, gib Gas! Sechs Grad am Morgen macht es manchmal nicht sehr leicht, aus der Bettdecke zu steigen. Hier auf der Nordinsel herrscht ja subtropisches Klima. Manchen Pflanzen, wie den riesig wirkenden Farnen oder Palmen, sieht man das auch an. Aber morgens und abends halte ich das dann wieder für ein Gerücht... Subtropisches Klima. Stellt man sich eigentlich anders vor. Auf der Südinsel wird es dann ja erst richtig kalt! Alpines Klima.
Wir laufen in die Innenstadt, machen ein paar Erledigungen und kaufen uns zu sensationellem 40 %igem Rabatt fehlende Ausrüstung in zwei Outdoorläden. Ich besitze jetzt ein zweites Fleece und liebe es jetzt schon. Der Regen lässt nach, die Sonne lässt sich blicken, wir brechen den Stadtbummel ab, eilen zu Bernadette und fahren zu zwei nebeneinander gelegenen Seen. Einer sieht blau aus, der andere grün. Man kann es erahnen, doch auf Fotos sah es noch spektakulärer aus. Vielleicht ist die Sonne doch nicht ganz so stark heute. Der Weg um den See ist auf jeden Fall schön. Am Abend steht natürlich wieder chillen im Mineralpool an. Das Wasser ist bräunlich und wirkt zugebenermaßen nicht so einladend. Sind wohl die Mineralien, sie sollen die Haut nähren und schön machen. Und 40 °C locken auch noch. Im Internet finden wir wieder (ähnlich wie Groupon) mal ein unschlagbar günstiges Angebot für Wildwasserrafting am nächsten Morgen. 9 Uhr, Wettervorhersage sagt Regen voraus, 9 °C, Wassertemperatur des Flusses 14 °C. Die Bedingungen könnten also besser sein... Wir überlegen, uns dies für den Rückweg nach Auckland im Dezember/Januar aufzusparen. Doch dann ist Hochsaison, so extrem vergünstigt bekommen wir es bestimmt nicht wieder. Also buchen wir es und so komme ich zum ersten Mal raften in meinem Leben. David war an seinem Junggesellenabschied mit den Jungs in Österreich schon mal raften. Aufgrund der Temperaturen bekommen wir unter dem Wetsuit ein spezielles Fleece angezogen. Während wir uns anmelden, läuft ein Video (soll das ein Werbevideo sein?). Leute, die kentern, das Boot voller Wasser. Es sieht krass aus. Ich bin erstaunlich nervös. In der Umkleidekabine dann bis auf eine Engländerin nur deutsche Stimmen. Ich bin nicht die einzige, die das heute zum ersten Mal macht, puh. Immerhin werden wir den höchsten Wasserfall der Welt fahren, der kommerziell mit Rafting befahren wird!
Der Guide gibt uns eine Einweisung, wir müssen mehrmals üben, wie wir uns bei Wasserfällen hinsetzen sollen. Ich muss wohl wie ein Reh im Scheinwerferlicht geschaut haben, mehrmals fragt er mich, ob ich freiwillig hier bin und ob ich das hier wirklich machen möchte. Oops. Vielleicht hätten fürs erste Mal doch ein paar Stromschnellen gereicht? Jetzt geht's aufs Wasser, ein paar Stromschnellen hinunter, nochmal alles üben für den immer näher kommenden "Ernstfall". Die ersten zwei Wasserfälle sind drei und vier Meter tief. Das Gefühl, wenn es bergab geht und man die massive Strömung unter einem immer näher kommen sieht, ist extrem und reines Adrenalin gemischt mit "Ach du Scheisse". Wir tauchen alle komplett unter, spätestens jetzt ist jeder pitschnass. Vor dem größten Wasserfall halten wir an, der Guide erklärt jetzt, dass wir hier nochmal die letzte Möglichkeit hätten, auszusteigen. Hinter ihm führt ein steiler, matschiger Weg in den Wald. Ansonsten wünscht er uns jetzt gutes Überleben. Ein letztes Mal üben wir das richtige Sitzen und Festhalten, gehen durch, was wir zu tun haben, falls wir gleich kentern. Einfach weiter festhalten, wir würden unter dem Boot auftauchen. Die ganze Zeit fährt ein Mann im Kajak mit. Zur Sicherheit. Falls etwas passiert. Ist ja alles schön, aber irgendwie macht auch alles Angst. Hilfe, das ist mein erstes Mal!!
Und los geht's! Es geht ziemlich schnell, keine Ahnung was genau passiert ist, aber wir finden uns alle gekentert neben dem Boot wieder. Also doch alles anders als vor wenigen Sekunden davor noch geübt und gesagt bekommen. Aber wir sind den höchsten Wasserfall herunter gefahren!! Yeah! Jetzt muss ich vielleicht auch nicht mehr raften gehen, ab jetzt kommen Stromschnellen einem wahrscheinlich langweilig vor. Ein Stück weiter halten wir an, wir können alle aussteigen und eine Stromschnelle schwimmend herunter gleiten bzw. einmal durch eine Welle tauchen. Danach heißt es, mit aller Kraft zum Boot zurückschwimmen. Die Strömung ist echt heftig, eine Deutsche schafft es nicht zum Boot und wird direkt die nächste Stromschnelle mit hinuntergezogen. Hier gibt es mehrere Steine und Felsen, also echt nicht ungefährlich. Jetzt muss der Mann im Kajak doch noch ran und lotst sie zu einer Wurzel, von der wir sie schließlich abholen und ins Boot ziehen. Das ist fast das Ende. Wir sollen uns jetzt nochmal paarweise ganz nach vorne setzen und fahren dann "von unten" in einen Wasserfall hinein. Man wird quasi von kaltem Wasser überflutet. Der Fotograf, der an verschiedenen Stellen Fotos gemacht hat, ist jetzt auch da und fotografiert fleißig. Schön aussehen ist hier unmöglich. Umso lustiger ist es, als wir uns in trockenen Klamotten die Diashow anschauen. Wir teilen uns untereinander die Kosten und haben so für sieben Euro extra die Fotos als Erinnerung. Fazit Rafting: David hatte sehr viel Spaß, ich hatte Spaß, aber es gibt auch Dinge, die mir mehr Spaß machen ;-) Vielleicht war es fürs erste Mal auch eine Nummer zu extrem. Aber hey, jetzt bin ich stolz und auch sehr froh, es gemacht zu haben!
Am Nachmittag regnet es sich ein, aber das ist uns heute total egal, denn wir machen uns einen gemütlichen Serienmittag in Bernadette. Da passt ein prasselnder Regen sogar auch echt gut dazu. Es ist so gemütlich, dass keiner auf Kochen heute Lust hat. Wir bestellen also Pizza zum Auto, Pizza und Netflix, einfach eine gute Kombi!
Am nächsten Tag machen wir eine Wanderung, es geht auf den Rainbow Mountain. Der erste Stop ist mit einer so tollen Aussicht verbunden, ein türkisfarbener See liegt unter uns! Die Farbe ist so irre, wie Wick Blau! Der Weg ist schön, vom Gipfel sehen wir weitere Seen und grüne Hügel mit vielen Kühen. Anschließend halten wir an einer der kostenlosen Spots, es gibt immer wieder Flüsse, in denen an manchen Stellen circa 30 Grad warmes Wasser fließt! Was für tolle Sachen sich die Natur so einfallen lässt.

Als letztes besuchen wir Waiotapu, eines der größten geothermischen Gebiete Neuseelands. Von Davids Freundin Doro haben wir den sehr guten Tipp bekommen, gleich morgens als erstes in den Park zu gehen, bevor nach der Hauptattraktion am Vormittag (Ausbruch des Geysiers Lady Knox) alle anderen Touristen den Park besuchen. So hatten wir in wunderschönem Morgenlicht die meiste Zeit all die blubbernden Schlammlöcher, kollabierten Vulkankrater, dampfenden Seen und je nach Mineral bunt gefärbten Steine ganz für uns. Highlights waren für uns sicherlich der sogenannte Champagne-Pool, die größte heiße Quelle Neuseelands. Oder ein quietschgrüner See, dessen Farbe so absolut unwirklich aussah! All das erinnert uns sehr an die Salar de Uyuni, die größte Salzwüste der Welt in Bolivien, die wir 2014 besucht hatten. Wie schön die Natur einfach ist! Man wird hier einfach immer wieder überrascht. Die eigentliche Hauptattraktion ist eher enttäuschend. Jeden Vormittag um 10:15 Uhr wird der Geysier mittels Seife zum Ausbruch gebracht, damit alle Touristen ihre Kameras bereit halten können. An guten Tagen schießt Lady Knox 20 m hoch, an schlechten Tagen nur 5 m. Heute war, im Gegensatz zu uns, wohl ein schlechter Tag für Miss Knox. Das Spektakel ist recht schnell vorbei, anschließend ziehen Busladungen voller Asiaten und andere Touristen Richtung Park. Ach Mensch sind wir froh, dass wir das alles heute morgen ganz für uns hatten. 

Auf geht's zum nächsten Stop nach Taupo! 

Geothermischer Park in RotoruaKostenlose ÜbernachtungRedwood Forest Mountain bikenPizza zu Bernadette bestellt :DWanderung Blue Water LakeRainbow Forest Mountain mit atemberaubend schönem SeeGipfel Rainbow MountainHot Pool am CampingplatzHot Pool im WaldKochenÜberall "dampft" es aus der ErdeRaftingZum aufwärmen zwei kleinere Wasserfälle..... Und dann der mit 7 m höchste Wasserfall, den man kommerziell raften kann!... gekentert...Alle geschafft! :-)WaiotapuWaiotapu, was für irre Farben!SchlammGrüner SeeDas war die wirkliche Farbe!Lady Knox Geysier

Mittwoch, 02.10.2019

Workaway auf einer Milchviehfarm in der Bay of Plenty

Kia Ora! Das war sie also, unsere erste Woche auf einer neuseeländischen Farm. Auf der Farm lebt zum einen Carolyn, eine etwa Mitte 60 Jährige, etwas verbittert wirkende Frau und Leiterin der Farm. Sie bietet ein Air Bnb an, in der Zeit in der wir hier waren, wohnten dort eine junge Mutter mit ihren drei kleinen Kindern. Neben uns gab es noch die Japanerin Miyu und die beiden spanischen Schwestern Geraldine und Stefanie als Workawayer. Etwa 100 m entfernt in einem weiteren Haus wohnt San, Carolyn's dauerhafter Arbeiter bzw. der Melker der 240 Milchrinder. Es war also echt full house angesagt! Leider war der Anfang unserer Zeit etwas holprig und nicht so euphorisch, wie wir das alles erwartet hatten. Carolyn ist eine nicht so super herzliche Frau, wie wir das in ihren Bewertungen gelesen haben und begegnet Vegetariern äußerst skeptisch, wie sie uns schnell spüren lässt. Eine der Spanierinnen isst auch kein Fleisch, immerhin sind wir zu dritt. Gegenüber ihnen äußert sie, dass sie absolut nicht nachvollziehen kann, wieso Vegetarier auf eine Farm gehen. Hätte sie ihre ganzen unterschwelligen Vorurteile mal in unseren Nachrichten vorab geäußert, hätten wir vielleicht auch mehr gewusst, woran wir sind. Direkt am ersten Abend fragt sie nach unseren Gründen, ich erkläre ihr lange wie Farmtierhaltung in Deutschland so abläuft, was ich alles darüber in meinem Studium gelernt und live hautnah gesehen und erlebt habe in Ställen sowie von meinen Schlachthoferlebnissen. Sie ist erstaunt, dass Milchkühe zu einem Großteil in Deutschland in Ställen gehalten werden und es scheint, als könne sie es nun doch mehr nachvollziehen. Trotzdem sind wir selten einem Menschen begegnet, der Menschen so hart vorveurteilt, von dem, was er ISST! Meiner Meinung nach sollte sie sich eher freuen, zwei tatkräftige, motivierte und freundliche Deutsche hier zu haben, anstatt in skeptischen Blicken zu schwelgen, wenn es um Gemüse geht. Carolyn's Gemüse ist nämlich ein riesiges Stück Fleisch. Also kurzum, beim Thema Ernährung liegen WELTEN zwischen ihr und uns. Aber man muss ihr zugute halten, dass sie von sich behaupten kann, jedes Stück Fleisch auf ihrem Teller "persönlich gekannt" und gehalten zu haben. Das, denke ich, können heutzutage nicht mehr viele. Ich betone mehrmals, dass ich sehr gerne mit den Tieren helfen würde, schließlich stand in der Anzeige, dass sie sich über Leute freut, die beim Melken sowie beim Füttern der vielen Kälber helfen. Doch alles scheint zunächst so, als würde sie mich irgendwie nicht gern im Stall haben. Miyu ist für all das schon eingespannt, sie bewirbt sich für einen Farmarbeitsjob und braucht Arbeitserfahrung. Alles auch nachvollziehbar, nur trotzdem schade, dass man sich nicht mal abwechseln kann.
Am ersten Tag sollen wir zusammen mit den Spanierinnen die Schlaglöcher auf dem circa ein Kilometer langen Weg zur Farm mit Schotter und Steinen füllen. David bekommt eine Einweisung im Traktorfahren und bewaffnet mit Schaufeln ziehen wir also los. Immer an unserer Seite, der dicke Farmhund Bailey. Humpelt immer mit, man kann kaum hinschauen. Mit Stefanie und Geraldine haben wir zum Glück viel Spaß, die Arbeit ist gegen Ende anstrengend, aber trotzdem okay. Die beiden verstehen uns und haben die gleichen Probleme mit Carolyn wie wir. Am Abend bitten wir sie, dass wir morgen früher anfangen können, um dementsprechend auch zum Mittagessen fertig zu sein, um Ausflüge unternehmen zu können. Das scheint schon ein kleines Problem zu sein für Carolyn. Die Kommunikation mit ihr läuft einfach nicht rund, es gibt keine richtigen Ansagen zu Essenszeiten oder wie sie gern hätte, dass gewisse Dinge ablaufen.
Am nächsten Morgen dürfen wir dann auf unser Drängen hin früher anfangen zu arbeiten. Um 7:30 Uhr starten wir und sollen mehrere Holzhaufen verbrennen. Das klappt auch ganz gut, unsere Feuer werden echt riesig und wir haben etwas Bammel aufgrund der umliegenden Bäume, doch Carolyn zieht uns nach einer Stunde von dort ab, das Feuer solle so vor sich hinbrennen... Es gibt noch ein paar Löcher auf der Straße zu füllen. Zwischendurch gibt ein Hinterreifen des Anhängers, der gestern halbplatt war, nun ganz den Geist auf und ist absolut platt. Wir rufen Carolyn an, alles kein Problem, einfach weiterfahren. Gut, machen wir, fühlt sich falsch an, aber so sind wir abgesichert. David muss ein paar mal für vorbeifahrende Autos den Traktor samt Anhänger seitlich ins Gras manövrieren und rückwärts fahren. Viel Vertrauen bringt sie uns dann doch entgegen. Beim Mittagessen reden wir über ein krankes Kalb, seit zwei Jahren ist es in Neuseeland verboten, kranke Kälber mit einem stumpfen Gegenstand (lies: Hammer) zu erschlagen. Wie das gehen soll, ein Kalb so lange mit einem Hammer zu schlagen, bis es tot ist, mag ich mir nicht vorstellen. Sie erzählt auch eher beiläufig, dass auf ihrem Betrieb das Bakterium Mycoplasma bovis festgestellt wurde. Eine Tierseuche, die eigentlich nur durch konsequente Merzung betroffener Tiere zu bekämpfen ist. Bis vor wenigen Jahren war Neuseeland frei von dieser Krankheit, 2017 mussten einige tausend Rinder gekeult werden. Eigentlich müsste es spätestens jetzt hier von Desinfektionswannen und Kontrollen der Personen, die mit Kühen und Kälbern zu tun haben, nur so wimmeln. Bewusst versuchen, eine Übertragung so gut wie möglich zu verhindern. Carolyn scheint das alles locker zu sehen. Vielleicht ist auch das grundlegende Problem, dass sie den Tests und Untersuchungen der Tierärzte einfach nicht glaubt. Nach dem Motto "Kann nicht sein, muss ein Versehen sein, dass mein Betrieb betroffen ist." Sie zeigt mir das Testergebnis schwarz auf weiß. Puh, wo fängt man da nur an... 
Am Mittag verlassen wir die Farm, fahren zum Strand, machen einen Spaziergang durch die Dünen und am Strand und schaffen es gerade rechtzeitig vorm Regen zurück ans Auto. Und da wird uns bewusst, wie einzigartig Neuseeland ist! Von unserem hügeligen Grün, was einen an Bayern erinnern lässt, fahren wir circa 20 Minuten und sind an einem der wunderschönen, ewig langen Strände hier. Auf der Südinsel kann man wohl morgens Ski fahren und sich nachmittags an den Strand legen! Was für ein cooles Land! Nach einem Kaffee im kleinen Städtchen Opotiki fahren wir zurück zur Farm und ich nehme mir vor, heute Abend mit Carolyn zu sprechen. Überraschenderweise kommt sie mir zuvor und fragt, ob ich am kommenden Morgen beim Melken und dem Versorgen der Kälber helfen möchte. Sie möchte mir außerdem eine kranke Kuh sowie zwei kranke Kälber zeigen. Am nächsten Morgen sind David und ich um sieben Uhr startbereit, David soll zunächst die elektronische Anzeige des großen Wassertanks reparieren (was ihm auch gelingt) und ich soll zunächst beim Melken assistieren. Wow, was für eine Erfahrung! Grob gesagt, alles was man so gelernt hat während dem Studium, läuft hier einfach anders. Kein Säubern der Zitzen vor dem Melken, kein Vormelken der Milch. Dies erfolgt normalerweise um zu checken, ob nicht vielleicht eine Entzündung des Euters (Mastitis) vorliegt, dadurch könnte beispielsweise Eiter in die Milch und somit in den großen Milchtank gelangen. So etwas fällt hier nicht auf, ich glaube, hier muss das Euter äußerlich schon dermaßen katastrophal aussehen, dass man sich dieses Euter vorm Melken genauer ansehen würde. Die Milch von dieser Farm geht an den größten Milchkonzern (Fonterra) hier in Neuseeland. Auf besondere Melkhygiene zwischen den Tieren aufgrund des entdeckten Bakteriums wird ebenfalls nicht geachtet. Die Kühe haben im Vergleich zu deutschen Kühen deutlichst (!) kleinere Euter, 12 - 18 Liter erzählt San geben sie hier pro Tag. Eine deutsche Hochleistungskuh zum Vergleich gibt um die 40 - 50 Liter pro Tag. Aber ist ja auch klar, es gibt hier nicht mal einen Stall! Die Kühe sind außer beim Melken dauerhaft auf den Weiden der 120 Hektar großen Farm. Ich muss sagen, schon nach wenigen Eindrücken denke ich mir: Oh nee, das alles fördert gerade nicht die Lust oder den Appetit auf Milch.
San zeigt mir die Kuh, die ihnen so langsam Sorgen bereitet. Sie ist recht klein, mager und hat vor fünf Tagen (oder länger? Keiner weiß das so genau) ihr erstes Kalb zur Welt gebracht. Die Anamnese, also der Vorbericht, ist hier äußerst kurz und da merkt man auch wieder, dass es Verbesserungen zwecks Herdenmanagements gäbe. Kaum eine meiner Fragen kann wirklich beantwortet werden, das macht es alles nicht unbedingt einfacher für mich. Ich checke sie allgemein durch, dabei ist zunächst wenig auffällig. Verrückt, denke ich, plötzlich muss ich mein inzwischen auch schon etwas verjährtes Wissen über Rinder aus meinem Kopf kramen, mitten im Nirgendwo auf einer Farm in Neuseeland. Jetzt muss ich das allein schaffen, ohne meine ganzen lieben Studienkolleg*innen, die ich nicht nur in diesem Moment sehr vermisse. Zum Glück gibt es einen Untersuchungsstand, wir bringen sie dorthin und ich kann sie so fixiert besser untersuchen. Das Problem wird schnell klar, ihre Nachgeburt scheint nicht abgegangen zu sein. Aus ihrer Scheide läuft braun-rötliche, stinkende, teils bröcklige Flüssigkeit. San gibt mir Rektalhandschuhe und ich versuche, so viel von dieser Lochialflüssigkeit wie möglich aus der Kuh zu massieren. Ein Thermometer ist nicht auffindbar, dafür lagern munter Antibiotika hier im Kühlschrank. Wir geben ihr ein Antibiotikum und ein Schmerzmittel und Entzündungshemmer, San schaut mich verwundert an, als ich ihm deutlich mache, dass ein Antibiotikum auf keinen Fall eine Einmalgabe sein sollte. Manchmal muss ich echt hier versuchen, mein innerliches Erstaunen und Kopfschütteln gut äußerlich zu verbergen. Wir unterhalten uns ein bisschen über deutsche und neuseeländische Milchviehhaltung. Wie weit die schöne Theorie aus dem Studium und die hautnahe Praxis doch auseinander klaffen können. Aber mehr, als ihnen zu sagen, wie ich es gelernt habe, kann ich nicht tun. Ich werde das hier alles sicher nicht ändern, was seit wahrscheinlich ewigen Zeiten so praktiziert wird. Carolyn ist auch eher das, was man so schön als "beratungsresistent" bezeichnet. Aber sie wird zunehmend offener und fast sogar herzlich. Wieder das Phänomen, dass ich jetzt schon ein paar Mal in meinem Leben erlebt habe: Je mehr das blonde, zierliche Mädel mit jeglichen Körperflüssigkeiten eines Tieres besudelt ist, desto freundlicher sind diese Menschen danach zu mir. Als müsste ich beweisen, dass ich mit Kot, Urin und Eiter an mir umgehen kann. Absolut bescheuert! Aber gut, sie beurteilt Menschen ja auch nach dem, was sie abends auf ihrem Teller liegen haben. Sie scheint jetzt fast dankbar zu sein, dass wir die Ursache der Kuh gefunden haben und ich frage mich, wieso sie das erst an Tag vier nach meiner Ankunft getan hat... Es geht zu den Kälbern, David ist schon fleißig am Ohrmarken einsetzen und macht echt einen richtig guten Job! Carolyn bringt mich zu den kranken Kälbern, eins hat ein stark geschwollenes Sprunggelenk und kann auf dieser Seite die Klaue nicht korrekt aufsetzen. Es ist ansonsten munter, zeigt sich neugierig, aufmerksam und hat offensichtlich Hunger. Wir bringen es zur Tränke, wo Miyu (hat von uns den Spitznamen "IchDu" bekommen) schon den anderen kleinsten Kälbern beibringt, aus einer großen Tränke zu trinken. Ich kann Carolyn ermuntern, dem Kalb noch eine Chance zu geben, da es bei so gutem Allgemeinbefinden ist. In dem Moment bin ich nochmal echt froh, dass es mittlerweile verboten ist, die Kälber mit dem Hammer totzuschlagen. Aber mit der Sehnenproblematik und dem dadurch nur auf drei Beinen laufen können, hat es denke ich eher die Prognose, demnächst in Carolyns Tiefkühltruhe zu landen. 

Als nächste Aufgabe sollen David und ich, mit Karten und Stiften bewaffnet, den Wasserleitungen der Farm folgen. Wir checken sie auf Dichtigkeit, Verlauf, kontrollieren die Tränken auf den einzelnen Weideabschnitten. Das ist echt sehr entspannt und eher wie ein großer Spaziergang und ein kleines Workout über die hügelige und teils matschige Farmlandschaft. Jetzt wird einem bewusst, wie riesig 120 Hektar sind! Ein Glück haben wir Gummistiefel bekommen, teils versinken wir ganz schön im Matsch.

Sonntag ist dann unser erster "Day off", nach dem Ausschlafen steht als erstes, es ist ja Sonntag, Pancakes machen auf dem Programm. Plötzlich taucht Carolyn auf und erzählt, in der Nacht sei ein neues Kalb geboren worden. Es könne, ebenfalls wie das andere, nicht richtig auftreten auf einem Bein. Sie habe jetzt einfach mal das Antibiotikum gespritzt. Oh man, was soll man dazu groß sagen? Sie kann doch nicht jeder Kuh, die ihr irgendwie komisch vorkommt, direkt ein Antibiotikum spritzen? Ist überhaupt eins angezeigt und vor allem ist DIESES eine, wovon sie eine Flasche hat, überhaupt das richtige für die Art der Symptome? Darf man dieses überhaupt einem neugeborenen Kalb geben? Hat Carolyn schon mal von der zunehmenden Antibiotikaresistenzproblematik gehört...? Manchmal wünsche ich mir, ich würde weniger wissen über das Ganze, dann könnte ich es hier vielleicht auch eher genießen und denken, wie schön diese Farmidylle doch ist.

Wir mieten uns anschließend zwei Mountainbikes und radeln den 20 Kilometer langen "Dunes Trail". Ein sehr schöner Weg zwischen und in den Dünen, auf der einen Seite das Meer und auf der anderen Seite unendliche Kuhweiden. Auch heute sehen wir galoppierende Kühe, noch nie habe ich so viele galoppierende Kühe gesehen wie in Neuseeland. Nach unserer Rückkehr auf die Farm nutzen wir den Platz und das trockene, sonnige Wetter und bauen mal unser Zelt auf. In Bernadette liegt ein Viermannzelt unserer Vorgänger. Da wir ja hier definitiv auch mal zelten gehen wollen, wollten wir vorher mal testen, ob auch alles komplett vorhanden und intakt ist. Gute Nachricht, alles da. Aber hallelujah, was für ein riesiges Zelt! Eigentlich ist uns das zu groß und auch zu schwer (vA bei einem Mehrtagestrek wo wir Essen und Trinken mitschleppen müssen), aber jetzt nochmal eins extra kaufen, wo wir das schon mal haben, macht auch wenig Sinn. Am Abend sammelt sich alles rund um die coole große Küche. Es wird gekocht, gequatscht und ein Weinchen getrunken. Zwischenzeitlich sind wir 12 Personen aus fünf Nationen! Wir sind uns mittlerweile mit den Spanierinnen einig geworden, das Abendessen mehr selbst in die Hand zu nehmen. Heute zeigen sie uns, wie man eine richtig originale Tortilla macht. Auch Miyu taut immer mehr auf, zum Glück verstehen wir fünf Workawayer uns so gut und sitzen abends nach dem Essen oft noch zusammen und quatschen. Spannend sind die kulturellen Unterschiede, vor allem was Miyu so alles aus Japan erzählt. Heute ist übrigens auch offiziell Sommerzeit hier, somit liegen wir aktuell elf Stunden vor Deutschland! Und juhu, jetzt ist es bis 19 Uhr auch hell!

Am vorletzten Tag helfen wir Carolyn beim Erneuern einer Art Kuhrampe. Wir schütten neuen Schotter so auf, dass die Kühe vom Melken zurück auf die Weide möglichst ebenerdig laufen können und rollen anschließend einen grünen (rot wäre auch cool gewesen) Teppich darüber aus. Es regnet ziemlich bald, sie ist begeistert vom Endergebnis und bekommt richtig gute Laune. Ha Carolyn, siehst du mal, die Veggies arbeiten sogar im Regen richtig gut mit! Vielleicht mag sie uns von Tag zu Tag mehr... Nach 1,5 Stunden regnet es dann zu stark, Arbeit für heute also frühzeitig beendet. Wir bekommen kleinere Aufgaben im Haus, insgesamt arbeiten wir heute aber nur die Hälfte der eigentlichen Zeit, da wollen wir uns mal nicht beschweren. Und dann, siehe da, große Überraschung: Carolyn fragt, was man alles für eine vegetarische Lasagne benötigt! Wow, sie will wirklich Lasagne machen? Juhu wie cool! Sie geht einkaufen und bringt gleichzeitig alles von einem Tierarzt in der Stadt mit, damit ich am kommenden Tag eine Gebärmutterspülung bei der kranken Kuh machen kann. David und ich nehmen abends das Essen in die Hand und zaubern eine Gemüselasagne mit der Linsenbolognese (bewährtes Rezept meiner Mama), selbst Carolyn scheint es zu schmecken. Danach sitzen wir Workawayer mal wieder noch lange zusammen, Miyu weiht uns in die japanische Sprache und die drei Alphabete ein. Puh, das ist echt sehr kompliziert, aber auch total interessant.

Am nächsten Morgen klingelt der Wecker wieder sehr früh, um sieben Uhr fangen wir an zu arbeiten. Ich denke, dass ich jetzt als erstes die Gebärmutterspülung bei der Kuh machen soll. Aber wie das so oft ist, was Besitzer einem sagen und was dann die Realität ist, so ist es auch hier. Für eine Spülung hat sie gar nichts da, lediglich einen Katheter und ein Antibiotikum, welches hier lokal in die Gebärmutter gegeben wird. Eigentlich macht man Gebärmutterspülungen auch nicht mehr so gern in Deutschland, aber ich weiß, wenn ich es heute nicht mache, dann wird es einer machen, der sicher nicht so viel Hintergrundwissen hat. Also bringen wir die Kuh in den Untersuchungsstand, David wird mein Helfer und juhu, der Kuh geht es schon viel besser! Sie hat kein Fieber und gibt laut San auch wieder mehr Milch. Und da ist er wieder, einer der Momente, in denen sich in meinem Kopf der Affe aus WhatsApp die Hände vors Gesicht schlägt. Jedes Antibiotikum hat eine Wartezeit auf Milch und Fleisch, man muss also diese Zeit unbedingt einhalten, um sicherzustellen, dass keine Rückstände des Antibiotikums in Milch oder Fleisch und damit beim Verbraucher landen. Ach ja, so ein Glas Milch... Danach helfen wir beim Kälber füttern, ein Teil wird nächste Woche zum Schlachten abgeholt. Irgendwie schon verrückt, ein so junges und gesundes Tier zu schlachten... Aber siehe da, das Kalb mit dem geschwollenen Sprunggelenk kann schon viel besser laufen und macht auch einen viel besseren Eindruck. Anschließend bekommen wir eine Reihe kleinerer Aufgaben: Brett erneuern, Baumstamm von der Weide holen, zwei Türen anbringen, Nägel nach erneuter Brauchbarkeit sortieren. Nach dem Mittagessen sitzen wir dann tatsächlich noch über eine Stunde mit Carolyn zusammen, sie fragt uns mehr, ist interessierter an uns. Sie lacht viel mehr, vielleicht ist sie sogar echt ein bisschen traurig, dass wir schon bald fahren werden? Vor allem um David ist sie sicher froh, es gab ein paar Mal Situationen, in denen seine Manneskraft extrem hilfreich war. Manchmal halte ich kurz inne, schaue David an und denke, wie verrückt, was wir alles zusammen erleben. Allein nur auf dieser Reise. Unser Start in Kolumbien, der Moment auf dem Gletschergipfel, Ecuador, Galapagos, Fiji bei den Familien... Und jetzt stehen wir grad auf einer Farm in Neuseeland. Wie ein langer, langer Traum. Wie froh ich auch dann in solchen Momenten bin, dass wir so den gleichen Traum und das gleiche Ziel hatten: um die Welt reisen und Dinge erleben, die wir wahrscheinlich nie wieder in unserem Leben machen werden. 

Am letzten Tag ist wieder ein "Day off", wir fahren nach Whakatane und an den Ohope Beach. Beim Verlassen der Farm sehen wir die kranke Kuh wieder fleißig grasen, es geht ihr täglich besser und besser. Wir nehmen jetzt auch endlich mal das Thema Kontoeröffnung in Angriff und haben in Whakatane für den kommenden Tag einen Termin bei einer Bank bekommen. 

Am Mittag setzen wir uns dann mal hin und überlegen uns, wie wir die kommende Zeit jetzt hier in Neuseeland grob gestalten wollen. Wir haben jetzt per Zufall ein Angebot, Anfang November für zwei Wochen ein Haus mit einigen Tieren zu sitten, während die Besitzer im Urlaub sind. Heute haben wir uns dafür entschieden und sind ganz aufgeregt! Eine Woche vorher werden wir schon vor Ort sein, wieder ein Workaway machen und werden quasi in alles eingewiesen. Zwei Hunde, vier Katzen, Kühe, Ziegen, Hühner, Schweine und Enten - wir haben dann also ein riesiges Haus und diese Tiere zu versorgen. Das wird sicher sehr spannend und sehr cool, da wir so komplett unser Ding dort machen können :-) Sie schreiben, dass allzu viel Arbeit nicht anfällt, schließlich haben beide einen normalen Vollzeitjob in der Stadt. 

Doch jetzt reisen wir erstmal weiter, Rotorua und Lake Taupo stehen auf dem Plan. Viele heiße Quellen, Geysiere, smaragdgrüne Seen, Natur und viele toll klingende Hikes! Bernadette ist gepackt, Wassili steht bereit und somit sind wir startklar für den zweiten Teil des Roadtrips. 

 Kälber fütternSpanischer KochabendBlick von der KücheErstes Mal Trekker fahren!!Rektale UntersuchungMeine PatientinAlle Workawayer :-)Zelt aufbauenLasagne mit CarolynDie Patientin frisst wieder juhu!Holz verbrennenDavid setzt OhrmarkenDer Frühling ist da!David fährt zum ersten Mal TrekkerHund Bailey ist immer dabeiWassertröge checkenKrankes KalbRiesige KücheSchlaglöcher mit Schotter füllenDunes Trail mit den Mountainbikes

Mittwoch, 25.09.2019

Von der Coromandel Halbinsel bis zur Bay of Plenty

Unsere Tage auf der Coromandel Halbinsel waren sehr, sehr schön und es ist absolut verständlich, dass Coromandel häufig von Touristen besucht wird. Nach unserer Wanderung im Coromandel Nationalpark sind wir die Küste weiter nördlich gefahren, immer wieder fährt man um die vielen Kurven und denkt sich: "Wow!! Wie unglaublich schön Neuseeland ist!" Und je mehr wir von der Welt sehen, desto mehr lernt man zu schätzen, auf was für einem unglaublich schönen Planeten wir eigentlich wohnen. Wie wichtig es doch ist, gerade in der heutigen Zeit wahrscheinlich mehr als je zuvor, diese Natur zu schützen. 
Der nächste Halt ist New Chum Beach, wir haben gelesen, dass dieser Strand zu den schönsten Stränden der Welt gewählt wurde. Ob das so stimmt, wissen wir natürlich nicht, aber extrem schön und abgelegen ist er definitiv! Man muss sich hier das Ziel schon ein wenig erkämpfen. Zuerst geht's durch einen Flussarm, hüfthoch watet man durchs kalte Wasser. Bis ich an Steinen das Gleichgewicht verliere und einmal unfreiwillig kurz baden gehe. Jetzt heißt es circa 20 Minuten über Steine kraxeln und nochmal durch einen Wald laufen, blöd, ich fange an zu frieren, alles ist nass. Endlich kommen wir an. Wie ein kleines Paradies, dieser Strand. Umgeben von Felsen und grüner Natur, eine wahrliche Perle!
Ein weiteres Highlight der Halbinsel ist die sogenannte Cathedral Cove, ein mal wieder extrem schöner Strand mit einer großen steinernen Höhle durch die man bei Ebbe laufen kann. Die Felsformationen, der natürliche Strand, die Sonne, der blaue Himmel und das glitzernde Meer... Wir wissen, dass das alles selbstverständlich Touristen anzieht. Daher sind wir schon früh morgens vor den Massen da und können das ganze (fast) für uns allein genießen. Als es dann voll wird, viele nehmen das Wassertaxi anstatt den echt schönen 40-minütigen Weg zu laufen, packen wir zusammen und steuern einen Campingplatz an. Dieser liegt fußläufig am Hot Water Beach und jetzt heißt es warten, bis nachmittags wieder Ebbe ist. Mit einer ausgeliehenen Schaufel machen wir uns schließlich auf den Weg. Was für ein Erlebnis! Dieses Mal sind wir bei weitem nicht die ersten. Circa 40-50 Menschen buddeln fleißig auf einer Fläche von vielleicht 10 x 15 m wie wild im Sand, einige liegen schon in ihren selbstgebuddelten Pools, man sieht Wasserdampf aufsteigen. Schon beim barfuß laufen spürt man deutlich, wo es plötzlich warm wird. Vergräbt man seine Füße einige Zentimeter in den Sand, werden die Füße von sehr warmem Wasser umspült. David buddelt fleißig, teilweise wird es so heiß, dass selbst ich, die heißes Wasser eigentlich ganz gut toleriert, schnell ein paar Meter weiterlaufen muss. Es wird gewarnt, sich nicht zu verbrennen, so heiß ist das Wasser! Meine Erkältung ist leider an diesem Tag an ihrem Tiefpunkt, ich wärme mir also nur die Füße, als mich im Bikini ganz reinzulegen. Was für ein toller Strand! Auch hier kommt man direkt wieder mit Kiwis (so nennen sich die Neuseeländer) und anderen Touristen ins Gespräch. Eine australische Mutter, deren Kinder direkt neben uns buddeln und wir schließlich beide Pools zusammenlegen, schwärmt direkt von ihrer Backpackerzeit und gibt uns detaillierteste Restauranttips für Hoi An in Vietnam. Ist alles notiert, Vietnam kommt ja auch noch irgendwann. Generell sind die Kiwis sehr offen für ein kleines Schwätzchen, egal wo und wann. Sei es morgens auf dem Strandparkplatz (auf manchen dürfen wir ja kostenlos übernachten), auf Campingplätzen oder im Supermarkt an der Kasse. Einmal saß ich morgens mit meinem Müsli auf einer Bank vorm Strand und beobachte das Treiben. Viele gehen mit ihren Hunden Gassi, jedoch wirklich keiner geht an einem ohne einen netten Gruß und ein Lächeln vorbei. Eine Frau läuft an mir vorbei und sagt einfach so: "Das ist mein Weg zur Arbeit! Was ein toller Weg, oder?" So unterhalten wir uns kurz über ihren wirklich tollen (!) Arbeitsweg, ihren Job und unsere Reise. Wie witzig, denke ich, das würde einem in Deutschland doch nie passieren! Schon allein, dass jeder jeden freundlich grüßt, ist doch eigentlich nicht selbstverständlich bei uns. Oder an den Supermarktkassen, wir gehen eigentlich nie ohne Schwätzchen einkaufen. Langsam sind wir auch nicht mehr verdutzt, wenn man uns erstmal fragt, wie unser Tag bisher so war. Dann plauscht man über das Wetter, unsere Reisepläne (gelegentlich bekommen wir dann direkt auch noch Ratschläge mit an die Hand) oder lokale Festigkeiten. Auf einem der kostenlosen Parkplätze am Strand spricht uns eine Frau an, gibt uns wenig später ihre Telefonnummer und lädt und ein, eine Nacht vor ihrem Haus kostenlos am Lake Taupo zu stehen. Wie nett die Kiwis doch alle sind!! Sie erwähnt jedoch nichts von einer Dusche oder einer Toilette... Und vor allem eine Toilette ist ja doch Pflicht bei uns, wir wollen unsere gern so unangetastet lassen, wie sie die ganze Zeit ist.
Hier beim Hot Water Beach auf dem Campingplatz gibt es mal wieder eine super ausgestattete (und vor allem größere Küche als in unserem Auto), sodass es mal wieder Zeit für ein Pancake Frühstück ist! Das Rezept haben wir aus dem hippen Auckland Hostel mitgenommen und für uns verfeinert - Mehl mit Backpulver, Wasser, Chia Samen und eine gute Prise Zimt. Über Nacht stehen lassen, backen und mit Ahornsirup und einem großen Obstsalat genießen :-)

Etwas, das uns im Verlauf der Reise auffällt, ist, dass Deutschland irgendwie überall klein versteckt ist. Hier im Supermarkt versucht man sich an "German Rye Bread" (kommt lang nicht an ein gutes deutsches Roggenbrot ran, aber wir nehmen alles an halbwegs gutem Brot, was wir kriegen können - Update: deutsches Brot wird immer noch schmerzlichst vermisst!), es gibt Süßstücke mit "Black Forest Cream". Manchmal sehen wir typisch deutsche Marken, in Südamerika wurden in den Supermärkten oft deutsche Biersorten verkauft. Auch immer wieder verrückt finden wir es, wie viele Menschen doch deutsch sprechen! Bisher eigentlich in jedem Land ist uns das passiert, und das, obwohl deutsch jetzt nicht so DIE Weltsprache ist und eigentlich nur so richtig in drei Ländern gesprochen wird. Deutschland hat schon echt einen guten Ruf, das weiß man irgendwie, aber so richtig wird einem das auf einer Reise durch verschiedene Länder und Kulturen bewusst. Und auch, was man so an seinem Heimatland eigentlich hat! Gutes Brot... Nee, Spaß beiseite, uns wird zum Beispiel immer deutlicher, wie toll es ist, so viel Geschichte zu haben. Neuseelands Geschichte zum Beispiel ist ja grad mal circa 200 Jahre alt (zumindest die europäisch geprägte, aber selbst die Maori kamen vor nur 1000 Jahren)! Vergleicht man jetzt mal die Städte hier mit Städten in Deutschland, es gibt einfach viel mehr zu sehen und zu entdecken. Neuseeland enttäuscht bisher mit Städtchen und mal kurz durchbummeln. Aber ist auch okay, da sind wir in Europa auch einfach echt verwöhnt. Und dafür sind wir schließlich auch nicht hierher gekommen. Neuseeland punktet dafür ganz klar täglich mehr mit seiner atemberaubenden Natur und deren Schönheit.

Leider kommt nun ein ziemlich regnerischer Tag und somit sind unsere Wanderpläne erstmal auf Eis gelegt. Da wir mal wieder duschen wollen, googlen wir nach Schwimmbädern in der Umgebung. Dort soll man wohl günstig einfach duschen können. Die Eintrittspreise sind aber derart verlockend, dass wir kurzerhand beschließen, einige Stunden im Schwimm- und Spabereich zu verbringen. Wir ziehen einige Bahnen, chillen im kostenlosen Wlan und sitzen im sprudelnden Whirlpool, bis unsere Hände und Füße schrumplig sind. Draußen regnet und schüttet es, doch das ist uns gerade hier drin echt egal. Ein großer Unterschied zu Deutschland: Man nimmt hier seine ganzen Sachen, Taschen und sogar Straßenschuhe mit rein! Die meisten tragen hier Tshirts und Hosen! Ich bin in meinem Bikini mit die "nackteste" hier! In die einzelnen kleinen Pools darf man auch seine Getränkeflaschen mitnehmen, also echt einiges anders, als wir es gewohnt sind. Die ganze Zeit ertönt laut ein Lied aus den 80ern nach dem anderen. Dirty Dancing, Bryan Adam's, Michael Jackson. Umgerechnet knapp sieben Euro pro Person, für Sauna, Schwimmbad, Whirlpool, echt ein guter Preis. Und warm geduscht sind wir auch. Jetzt wird noch ein asiatisches Gemüsecurry gekocht und sich dann in Bernadette gekuschelt, mit dem Rauschen des Meeres im Hintergrund. Am nächsten Tag lässt das Wetter einen Strandspaziergang zu, aber es regnet immer wieder. Als wir uns etwas windgeschützt auf dem Weg zur Farm in Strandnähe hinstellen, um Mittagessen zu kochen, hält ein Mann in einem Auto vor uns und teilt uns mit, dass gerade ein Orca vom Strand aus gut zu beobachten ist! Wenige Minuten später sind wir selbstverständlich am Strand und tatsächlich, immer wieder sehen wir die Flosse! Unser erstes Mal, dass wir einen Wal sehen! 

Und dann kommen wir auch schon an bei der Farm von Carolyn. Die Farm liegt in der schönen Bay of Plenty, wir sind sehr gespannt, was uns die nächsten Tagen alles so erwartet, es wird bestimmt extrem abwechslungsreich. Wir wissen bisher nur, dass es gerade sehr viele Kälber zu versorgen gibt (wofür ich mich sehr gern bereit erkläre) und auch sonst immer viel an Gartenarbeit, Holz hacken, Zäune reparieren und allgemeine Farmarbeit anfällt. Uns wird bestimmt nicht langweilig werden! Aber von unserer Farmzeit erfährt ihr dann beim nächsten Mal...

Lange Strandspaziergänge an den vielen unendlich wirkenden Stränden...Cathedral CoveCathedral CoveNew Chum BeachAllgemeines Buddeln am Hot Water BeachHot Water BeachMüsli in den DünenDie Orca FlossePancake - Sonntag :)

Samstag, 21.09.2019

Hoch im Norden bis Cape Reinga, nördlichster Punkt Neuseelands

Schön war sie, unsere Zeit ganz hoch im Norden, im sogenannten Northland! Am ersten Tag lag unser erster Halt beim "Kiwi North", einem Museum und Art Auffangstation für Kiwis. In einem Nachthaus warteten wir ziemlich lange, bis endlich die Kiwis sich haben blicken lassen. Der Kiwi ist der Nationalvogel Neuseelands, er kann nicht fliegen und ist derzeit leider bedroht. Hauptsächlich durch Hunde und Katzen. Hier in Northland leben die meisten von Neuseeland, auf Treks sehen wir immer wieder Schilder und Warnungen, seine Hunde nur an der Leine zu führen. Danach geht es direkt zu einem Campingplatz gefahren, an dem sich nur self contained Autos wie unsere Bernadette hinstellen dürfen. Dieser Campingplatz, eher ein Parkplatz, lag direkt an einer Höhle. Je weiter wir reinliefen, desto mehr Glühwürmchen kamen zum Vorschein. Die erste Nacht war sehr gut, dank Wärmflasche und Thermounterwäsche musste auch nicht gefroren werden. Am nächsten Morgen sind wir zu einem Wasserfall gefahren und haben dort einen ausgedehnten Spaziergang gemacht und unter anderem die großen und bekannten Kauri Bäume gesehen. Am Abend sind wir dann auf einen richtigen Campingplatz gegangen, eine warme Dusche, ein Kühlschrank für Aufstriche sowie ein Mülleimer sind doch Dinge, die man ab und zu dann mal braucht. Alles ist noch total leer, man merkt an dieser Leere und an den niedrigen Preisen, dass wir aktuell noch in der Nebensaison sind. Wir lernen Wiebke und Renée kennen, zwei Psychologiestudentinnen aus Gießen. Mittlerweile sind wir in der Bay of Islands angekommen, es ist wie im Urlaub hier! Wir beschließen, am kommenden Tag eine 16 km Wanderung zu machen, der Weg führt entweder direkt an Stränden oder durch kleine Wälder neben der Küste entlang. Zwei mal müssen wir kurz auf eine Fähre hüpfen, um unseren Weg fortzusetzen. Am Nachmittag fängt es wieder an zu regnen und spontan entscheiden wir, noch ein Stück weiterzufahren, als hier noch zu bleiben. Diese absolute Flexibilität und Spontanität genießen wir gerade echt sehr. In unserer App "Campermate" sind öffentliche Toiletten und Campingplätze unterschiedlicher Preiskategorien eingetragen. Aber auch kleine Campingmöglichkeiten von Privatpersonen sind hier verzeichnet. So finden wir Brad und Evon, ihre Einfahrt erkennen wir an den kleinen Briefkästen oben an der Straße. Über eine Schotterstraße (28 % der Straßen Neuseelands sind Schotterpiste!) gelangen wir zu ihrem Haus und zu unserem Platz. Sie haben für die Camper eine kleine Outdoorküche eingerichtet, Bad mit heißer Dusche steht uns auch zur Verfügung. Elf Euro für uns beide kostet das. Generell ist das campen gerade nicht allzu teuer. Von kostenlos bis zehn Euro pro Person und Nacht schwankt es gerade. Und weiter geht's am nächsten Morgen, nochmal frisch geduscht, man weiß ja nie, wo man heute Abend so steht. Die Landschaft verändert sich ständig, die Straßen sind sehr leer. Rechts und links grüne Hügel und Weiden. Schafe, Kühe und Pferde, so weit das Auge reicht. Wo es uns gefällt, wird kurz der Blinker gesetzt und angehalten. Wobei das immer wieder im Scheibenwischer anmachen endet... Nicht nur Linksverkehr, sondern auch Blinker und Scheibenwischer sind jeweils auf der anderen Seite, als man es gewohnt ist. Kein Stress oder Druck, wann wir heute wo ankommen müssen. Wir wissen nicht genau, wo wir morgen hinfahren. Mal so ohne Druck zu reisen... Ein eigenes Auto ist nochmal der gefühlte Inbegriff von Freiheit.
Mittags sind wir dann da, Tapotupotu, der nördlichste Campingplatz Neuseelands! Und ach, hinter uns stehen Wiebke und Renée! Wie verhext, lernt man Leute kennen, sieht man sie eigentlich zu 100 % irgendwo wieder! Der Platz ist auch recht einfach, man wirft das Geld in eine Box, es gibt eine kalte Dusche und Plumpsklos. Wir stehen circa 10 m von einer tollen Strandbucht entfernt und essen mit Meerblick unser Mittagessen. Danach wollen wir aber dann endlich zum richtigen Cape Reinga, einem Leuchtturm, vor dem sich das Tasmanische Meer und der Pazifik treffen. Und das sieht man, wie sich die Strömungen miteinander vermischen. Willkommen am nördlichsten Punkt Neuseelands! Mal gucken, ob wir auch am südlichsten Punkt stehen werden. Renee und Wiebke sind auch da, wir laufen zusammen mit ihnen wieder den 1,5 stündigen Weg zurück. Der Weg ist sehr schön, bergauf und bergab, das Meer und die Küste immer fest im Blick, die Sonne scheint heute von einem strahlend blauem Himmel. Oh ja, Frühling liegt in der Luft! Regen ist jetzt hoffentlich erstmal Geschichte. Plötzlich huscht vor uns etwas Schwarzes, erst denken wir, es sei ein Hund. Kurz später wird klar, dass es sich um ein Wildschwein handelt. Jetzt grunzt es auch aus dem Busch. Ein paar Sekunden später laufen zwei kleine braune und schwarze Frischlinge aus dem Busch! Wäre die Situation nicht etwas brenzlig, da man sich von Bachen mit Frischlingen ja in Acht nehmen sollte, wären wir alle vier glaube ich dahingeschmolzen, wie niedlich diese Frischlinge waren. Wir warten kurz, überlegen wie weit der komplette Weg zurück zur Straße wäre und entscheiden uns für lautes Vorbeilaufen. Bedeutete: wir sind klatschend, rufend in gebückter Haltung (um zu sehen ob die Wildschweine überhaupt noch in dem Busch sitzen) gelaufen und müssen wirklich wie die allerletzten Vollidioten ausgehen haben. Die Wildschweine waren wahrscheinlich schon über alle Berge... Aber wir hatten unseren Spaß ;-) Am Abend putzen wir unter einem gigantischen Sternenhimmel unsere Zähne. Der Mond scheint so hell, dass wir nicht mal unsere Stirnlampen benötigen. Das ist echt toll hier, dadurch das es so dünn besiedelt ist, gibt es wenige Lichtquellen und man hat eigentlich so ziemlich jeden Abend einen irren Sternenhimmel über sich. 
Am nächsten Tag geht es weiter, wir fahren den ganzen dünnen Landstreifen wieder zurück, halten wo es uns gefällt. Das ist zum Beispiel der sogenannte Ninety-Mile-Beach, der eigentlich besser 90-Kilometer-Strand heißen sollte. Irre, ich glaube an so einem ewig langem und so schön naturbelassenem Strand war ich noch nie! Viele fahren hier mit ihren Autos und Motorrädern drauf, wir hören aber auch mindestens genauso viele Warnungen, wie oft Leute stecken bleiben.
Der nächste Halt ist dann der Karikari Strand, Wiebke und Renée haben erzählt, dass vor ihnen hier plötzlich eine Gruppe Delfine im Meer aufgetaucht ist! Das passiert bei uns leider nicht, der Strand ist trotzdem wahnsinnig schön und man muss echt sagen, Neuseeland wird von Tag zu Tag schöner und beeindruckender. Wie wird das dann erst auf der Südinsel? Wir hören von allen Seiten, dass diese noch schöner als die Nordinsel sein soll. Neuseeland ist bisher wirklich wie ein kleines Naturparadies, kaum besiedelt, dafür sehr viel Natur. Traumhafte Strände und dann aber doch die Berge. Neuseeland hat nur knapp fünf Millionen Einwohner, über drei Millionen wohnen davon auf der Nordinsel.
Am Karikari Strand bleiben wir eine Nacht auf einem schönen "richtigen" Campingplatz. Warme Dusche, riesige Küche, Waschmaschinen und Trockner sowie die Möglichkeit, seinen Frischwasservorrat aufzufüllen und das Abwasser (vom Händewaschen, Gemüse und Obst abspülen) loszuwerden. Am kommenden Tag steht Strecke machen auf dem Programm, bis kurz vor Auckland fahren wir und übernachten kostenlos auf einem Parkplatz direkt vorm Strand. Dusche gibt es keine, die Toiletten sind zwei öffentliche. Das muss man echt lobend anerkennen, die öffentlichen Toiletten sind hier echt eigentlich immer sehr sauber! Es gibt hier viel mehr öffentliche Toiletten als in Deutschland, zum Glück der ganzen Camper. Manche erinnern vom "Design" her an Raststättenklos. Nur in sauber und mit Seife. Wieso bekommt Deutschland das nicht hin mit den sauberen Toiletten?
Wir schlafen erstaunlich gut in unserem Auto. Platzmäßig kommt es einem 140 cm Bett gleich, dank der Wärmflaschen friere ich nicht und wir wachen jeden Morgen gut ausgeschlafen auf. Jetzt geht's zur schönen und bekannten Halbinsel namens Coromandel. Das ist der östliche Zipfel südlich von Auckland. Wir kaufen nochmal ein, die Supermärkte erinnern an eine Metro. Weite Gänge, bis unter die Decke gestapelt, von rechts uns links winken Schilder mit Angeboten wie "Kauf fünf zahl zwei". Bisschen wie in USA. Ein bisschen müssen wir immer vorplanen, was wir so essen wollen in den meist kommenden zwei bis drei Tagen. Und überlegen, ob wir eine Kühlmöglichkeit für Hummus und andere Brotaufstriche haben und je nachdem die Kaufmenge eben auch hier anpassen. 

Aktuell kommt es uns sehr zugute, dass wir Produkte wie Fleisch, Käse, Milch und Joghurt nicht wirklich vermissen und daher unsere mini Kühlbox tatsächlich gut ausreicht. Abends ist es ja draußen mit vier bis acht Grad Celsius kalt genug, um die Sachen einfach draußen zu kühlen. Eine sehr praktische App zeigt uns an, wo welche Tankstelle gerade die günstigsten Preise hat. So sind wir dann wieder für drei Tage mit allem gewappnet und völligst unabhängig. Wassili, dem Roadtrip-Basilikum, geht es auch bestens. 
Zuerst fahren wir in den Coromandel Forest Nationalpark. Wir verbringen eine Nacht auf einem der Campingplätze im Nationalpark (eine Wiese, zwei Plumpsklos und eine Bank). Wir treffen Andre, einen sehr netten Deutschen, mit dem wir zusammen Abend essen und uns über das Reisen austauschen. Coromandel ist zur Abwechslung mal ein Name, der nicht wie Pipi-aus-dem-Takatukaland klingt. Wir sind nämlich überrascht, wie stark der Maori Einschlag hier noch ist! Maori ist immerhin auch Amtssprache, so ziemlich jeder Ort (außer den großen Städten die man so kennt wie Auckland, Christchurch, Wellington und Queenstown) Maori Namen, die teilweise echte Zungenbrecher sind.

Der erste Tag auf der Coromandel Halbinsel beginnt mit einer Wanderung zu den sogenannten Pinnacles. Über drei Stunden geht es eigentlich die ganze Zeit bergauf, viele Stufen über Steine, die uns zum schwitzen bringen. Die Aussicht oben ist sehr schön, das Wetter spielt perfekt mit, was will man mehr? Jetzt sind wir aber richtig reif für eine ordentliche Dusche!
Jetzt geht's weiter die Halbinsel erkunden. Über Workaway haben wir unseren ersten "Job" ergattert, wir werden nächste Woche in die Bay of Plenty fahren und dort auf einer Milchviehfarm mit 240 Kühen und anderen Tieren ein oder zwei Wochen (mal gucken wie es uns so gefällt :-)) mithelfen. Als Gegenleistung zu 4-5 Stunden arbeiten täglich (5 Tage pro Woche) haben wir Kost und Logie frei und bekommen so mal den Alltag einer neuseeländischen Milchfarm hautnah mit. Aber davon dann beim nächsten Mal!

Erste Nacht im AutoBei Leuten privat campenMittagessen90 Kilometer langer Strand!Kiwi Röntgenbild, man beachte das riesige Ei!!Auf dem Weg zu Cape Reinga, dort unten steht Bernadette :)Cape ReingaKauri BaumUsain Gipfel FotoCoromandel NationalparkSchöne Küche auf einem Campingplatz

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